Gestern habe ich mir während des Hörens eines Podcasts ein wenig Gedanken über CC-Musik gemacht und mich gefragt, ob es sowas denn auch in der Gothic-Szene gibt. Und siehe da, gibt es.
Ich bin dabei auf Darker Radio gestoßen, ein Webradio mit angegliederter Community und Magazin. Besonders dabei sind die Free Music Charts , die auch als Podcast (iTunes-Link) erhältlich sind. Dabei werden auf der Seite unterschiedliche kostenlose Alben, EPs, Singles usw. vorgestellt, auch wenn diese nicht unter einer CC-Lizenz stehen.
Weil ich mich aber gerade für CC-Musik im Speziellen interessiere werde ich hier von Zeit zu Zeit Bands und Projekte vorstellen, die unter CC-Lizenz veröffentlichen. Natürlich nur wenn es mir gefällt
Den Anfang mache ich mit einer Band, die ich beim Darker Radio gefunden habe und die ihre Musik bei afmusic unter derCreative Commons by-nc-sa Lizenzzur Verfügung stellen: Cyber Snake. Das Hi-Tech-Cyber-Industrial Projekt hat im Jahr 2009 sein Debüt Internet Album herausgebracht. Musikalisch spricht es mich an und ist für ein Debüt-Album auch gut produziert. Vom Stil her erinnert mich die Musik ein wenig an Xe-None, die ihre Musik auch kostenfrei zur Verfügung stellten und die wohl nicht umsonst der dritte Myspace-Freund des Projekts sind.
Auf alle Fälle viel Spaß beim runterladen und reinhören. Und wenn es gefällt, Cypber Snake haben auch eine EP mit dem Namen Apple Of Destruction rausgebracht.
Ich recherchiere gerade zum Thema Antifeminismus und bin dabei in einem Archiv auf einen Termin in der Zukunft gestoßen. Nach kurzer Irritation habe ich mir den Spaß mal angeschaut. Und ja, ein Spaß ist es eigentlich nicht. Am 30.10.2010 soll in Zürich das erste Internationale Antifeministen Treffen stattfinden. Leider ist noch nicht sehr viel bekannt, außer dass es von 10-16 Uhr gehen soll und 5 Woks das Essen liefern sollen.
Interessant sind aber die Hintergründe zum Treffen. Als diejenigen, die die Webseite “lanciert” haben stehen René Kuhn und Urs Bleiker da. Zu Bleiker nur kurz, am 04.04.2009 ist er laut eines Zeitungsberichtes Ortsparteipräsident der nationalkonservativen SVP (Schweizerische Volkspartei). René Kuhn wiederum ist nicht ganz so unbekannt und hat es als Parteipräsident der SVP in Luzern geschafft die schweizerische mediale Öffentlichkeit auf sich zu ziehen. Und zwar nicht dadurch, dass er sich in seinem Blog beschwert, dass die schweizerische Außenministerin in “Männerschuhen” auf wichtigen Anlässen wäre. Er hat es geschafft in noch diffamierenderer Art und Weise alle Schweizerinnen beleidigt die er nicht für hübsch hält:
„Nach drei Wochen Aufenthalt in einer Großstadt in einem vom Kommunismus runtergewirtschafteten Land freut man sich wieder auf die Schweiz. Auf was man jedoch gut verzichten könnte, sind die linken und ungepflegten Frauen. Frauen, welche in Lumpen herumlaufen, keinen Schmuck tragen und keine Schminke gebrauchen, obwohl sie es dringend nötig hätten. Es ist auffallend, dass in den meisten Ländern die Frauen zu sich schauen und sich demzufolge auch weiblich kleiden und bewegen (…) Auch die älteren Damen sind sich nicht zu schade, sollten die Haare grau werden, diese zu färben. Nicht so in der Schweiz, wo man sich tagtäglich diese Linken, ungepflegten, „verfilzten“ Weiber ansehen muss, welche überhaupt keine Weiblichkeit ausstrahlen. Gruselkabinett! (…) Die linken Schweizer Frauen könnten noch einiges lernen, aber diese Emanzen laufen lieber wie Vogelscheuchen umher.“ (Quelle: www.kuhn-rene.ch)
Und zumindest mittelbar scheint Kuhn in Frauenhandel verwickelt gewesen zu sein. Mittlerweile ist er wohl von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Das kann sich als Veranstalter für einen Kongress von AntifeministInnEn doch sehen lassen.
Bisher sind noch keine Details bekannt, von wem Referate zu erwarten sind. Sicherlich werden aber aus der bundesdeutschen AntifeministInnEnriege auch einige dabei sein. Das ganze sollte also im Auge behalten werden. Und lokal wird es sicherlich auch Proteste geben.
Einen Tag (oder mittlerweile doch mehr Zeit) habe ich mir Auszeit genommen und die Camping-Sachen halbwegs wieder weggeräumt, nach dem M’era Luna 2010. Ein Bisschen was zum Festival will ich aber doch schreiben, weil mir viele, unterschiedliche Gedanken dazu durch den Kopf gehen. Ich glaube ich sortiere es chronologisch.
Eigentlich ist mir das M’era zu groß und ich hatte auch immer gesagt, dass ich nicht hin will, wegen zu vielen Menschen, aber geschenkten Karten schaue ich nicht ins Maul. Mit geschätzten 24.000 Menschen ist es im Vergleich zum Black Field Festival, bei dem ich letztes Jahr zugegen war, ca. 10 Mal so groß. Dementsprechend gestaltete sich auch die Situation auf dem Camping-Platz. Durch Erwerbstätigkeit und Stau konnten wir erst 20 Uhr am Freitag da sein, viel zu spät wie ein Freund mir vorher sagte und sich dann auch zeigte. Vor allem wenn fünf Zelte und ein Pavillon einen Platz suchen. Ziemlich unmöglich fand ich dabei die recht aggressive Art auf dem Platz die eigenen Plätze zu verteidigen und andere Leute recht fern zu halten. Ich kann es gut verstehen, dass es blöd ist, wenn es für alle zu eng ist, aber es ist eben für alle zu eng und nicht nur für das Selbst. Es fanden sich dann aber nach der Öffnung einiger Fluchtwege dann aber doch Plätze.
Musikalisches
Der Samstag war super, obwohl er damit begann, dass Qntal ihren Auftritt absagen mussten. Für meinen Geschmack waren an diesem Tag vor allem Samsas Traum, Nitzer Ebb und die Sisters of Mercy die Highlights. Auch wenn die Sisters im guten 80′er-Jahre Stil die komplette Bühne in Nebel gehüllt hatten und die Band selten komplett zu sehen war. Beachtlich fand ich, dass der Altersschnitt um mich herum plötzlich um 20 Jahre anstieg als Unheilig ging und die Sisters kamen. Zu Unheilig kann ich nur sagen: Absoluter Personenkult um den Grafen, fast nur Zeug von der poppigen neuen Platte gespielt und nicht mal die Bandmitglieder vorgestellt. Shame on you!!
Am Sonntag waren die Highlights The Other und The 69 Eyes, beide Bands wohl gerade von Wacken angereist. Combichrist konnte ich kaum sehen nur hören, weil der Hangar voll war, aber wie schon beim Konzert in FFM haben sie (wohl) eine super Show abgeliefert. Leider verpasst habe ich Agonoize und Feindflug, die ich mir beide zumindest gern angeschaut hätte, was sie so für eine Show abliefern. Aber alles geht eben nicht.
Insgesamt würde ich sagen, dass die Musikzusammenstellung ziemlich gut war, weil sie recht breit war und damit viele Leute was geboten bekommen haben. Newcomer-Förderung inklusive.
Das Drumherum
Auch das drumherum war ziemlich nett. Der Umgang der Leute miteinander wurde besser als die Sache mit dem Camping geklärt war. Ziemlich viele nette Leute, höflicher Umgang und so weiter. Mag ich. Duschen waren ok, Schlangen zum Frühstück und zu den Duschen und Toiletten zeitweise lang, aber das lässt sich sicher schlecht vermeiden. Das essen war meist zwar eher passabel, als wirklich gut. Bei den meisten Gelegenheiten war auch was für fleischfrei-Essende was dabei und zwar nicht nur irgendwie als nette Beigabe. Auch nett.
Interessant fand ich den Umstand, dass es nicht mal eine halbe Stunde dauerte, dass wir die ersten Leute aus der Szene rund um Marburg/Gießen, schon nach nicht einmal einer halben Stunde gefunden hatten. Der Eindruck, dass es sich doch eher um ein Dorf als um eine internationale Massenveranstaltung handelt kam dann recht schnell. Das machte auch die 30.000 nicht mehr so abschreckend. Die Kehrseite: Leute die mir auf andern Konzerten durch massive Rücksichtslosigkeit (im Moshpit) aufgefallen sind waren auch schnell gefunden.
Und dann waren da auch die vertrauten, immer gleichen Sachen, die mir auf die Nerven gehen. Die schwarze Sonne war zum Beispiel auch vertreten, auch wenn ich nur eine Person mit einem solchen T-Shirt gesehen habe. Dafür eine andere Person mit dem T-Shirt-Spruch “Todesstrafe für Kinderschänder”. Da war es ein ziemlicher Zufall, dass ich bei NPD-BLOG.info einen Artikel gelesen habe, dass die NPD neuerdings noch stärker versucht über die Angst vor Sexualstraftätern Menschen anzuziehen. Dass es in der Gothic-Szene dafür Anknüpfungspotenzial gibt ist zwar schon länger bekannt, aber selten zeigt es sich so deutlich.
Schön an der Szene finde ich die Möglichkeiten zur Differenz, durch die unterschiedlichen Subkulturen innerhalb der Szene, die nicht trennscharf sind, sich überlappen und Stil-Mixe ermöglichen, die Festivals auch modisch immer wieder interessant machen. [Einzige Sache die sich auch weiter meinem Verständnis entzieht ist die Military-Subkultur, bei der ich noch immer den Eindruck habe, dass da die SS maschiert] Auch bei der geschlechtlichen Zuordnung gibt es Spielräume – die nur recht wenig genutzt werden. Aber immer mal wieder gab es Crossdressing, Outfits die geschlechtliche Zuordnung schwierig machten oder auch einfach nur unterschiedliche Kombinationen beim Führen an der Kette.
Im Nachhinein
… könnte ich mich schon wieder bunt ärgern. Im Forum zum M’era gibt es dann eine Diskussion um die Frage in wieweit Uniformen in Ordnung gehen. Ich persönlich finde es nicht in Ordnung Uniformen auf Festivals zu tragen, weil es in jedem Fall eine Affinität zum Militärischen ausdrückt. Ich würde so etwas niemals anziehen. Ich mache nun aber die Leute nicht blöd an, die das nun aber trotzdem tun. Wie es scheint gibt es verschiedene Gründe solche Uniformen zu tragen. Die Spannweite scheint von “Ich finde einfach die Ästhetik toll” – ich muss noch mal raussuchen wo ich gelesen habe, dass “Die Nazis hatten einfach einen tollen Sinn für Uniformästhetik” das neue “Die Nazis haben doch die Autobahnen gebaut” ist – bis zu einfacher Provokation zu gehen. Alles keine Gründe für mich persönlich. Eine Uniform fand ich aber gut gemacht, weil sie den Zeichnungen auf dem Cover der KMFDM Platte “Krieg” (Link zu einer Rezension beim mad-goth-magzin) nachempfunden war und der Bezug deutlich sichtbar war. Zwar noch immer militärisch, aber ok.
Was ich nicht in Ordnung finde – und auch absolut nicht witzig – sind Leute die sich total witzig finden, wenn sie als Hitler auftreten. Zwar gibt es immer wieder Leute die es überaus witzig finden sich so zu verkleiden und dann auch noch ein Publikum finden, was auf diesen “Humor” unterster Kajüte abfährt, ich jedenfalls kann dem nichts abgewinnen. Und die “Argumentation”, dass solche Leute wie Hitler nur Witzfiguren wären finde ich gelinde gesagt abscheulich und geschichtsvergessen. Grauenhaft. Dass dann die Diskussion schnell dahin abdriftet, dass Cybers doch bitte zum Rosenmontagszug oder zu CSD gehen sollen weil sie nicht zu den Goths gehören (weil sie wie die Military-Typen lächerlich wären), wundert mich dann überhaupt nicht.
Mein Fazit zum Festival: Tolles Festival, aber zum Glück musste ich nicht alles sehen.
Morgen geht das Campen beim M’era Luna Festival in Hildesheim los. Da es wie immer zwei Bühnen gibt und es tendenziell an Überblick bei Zeiten und Acts fehlt habe ich mal eben einen Kalender gemacht, der mit .ics-kompatiblen Geräten wie dem iPhone schick abgerufen werden kann. Für mehr Überblick und so. Wer ihn gern haben möchte, hier ist er: M’era Luna Kalender
Im Übrigen werde ich am Wochenende auch da sein. Wer Lust auf ein Tweetup hat kann sich ja melden
Eigentlich mache ich ja keine Musik Reviews. Und eigentlich halte ich mich auch mit Empfehlungen zurück. Aber dazu gibt es heute eine Ausnahme und zwar aus rein emotionaler Verbindung.
Es geht um die Band A Kiss Could Be Deadly die am 22 Juni ihre neueste EP – Farewell – rausgebracht haben. Insgesamt besteht die aus 6 Titeln, wobei ein Titel eine Alternativ-Version ist und zwei Titel Remixes sind. Positiv muss ich gleich mal anmerken, dass ich mich immer wieder mal freue eine Frauenstimme zu hören, vor allem wenn die Band aus dem Alternative/Punk Bereich kommt und damit zum Männerstimmen-Einerlei eine Alternative bietet. Was zusätzlich überrascht hat sind die Anleihen aus dem Synth-Pop Bereich die dem ganzen eine eigenständige Note verpassen.
Nach dem vierten oder fünften Hören fiel mir dann vor allem der vierte Titel ins Ohr. Und zwar covert die Band den Titel Metro, den ich zum ersten Mal von der Band System Of A Down gehört habe und den ich absolut grandios finde. Es war dieser Titel der mich, in der Zeit als ich noch aktiv Gitarre lernte, dazu veranlasst hat Power-Chords zu lernen. Es war also genau dieser Titel der mir die Welt des Punk-Rock, Metal und anderen Geschrammels eröffnet hat. Um so begeisterter war ich nach Jahren wieder mal diesen Titel zu hören und zwar in einer gelungenen Version. Zwar hat der Titel im Gesang seine Aggressivität eingebüßt, aber das macht den Titel nicht schlechter, im Gegenteil.
Leider gibt es den Titel nicht auf der Myspace-Seite zu hören, aber wer ein wenig Geld übrig hat und sich mit der Musik anfreunden kann, sollte unbedingt zuschlagen.
Nachdem ich letztes Wochenende diagnostiziert bekommen habe, dass ich anhand meines Aussehens nicht in eine musikalische Sparte passe, habe ich mir mal ganz Cyber die neue EP von Ext!ze angehört. Titel: Gothic Pussy
Musikalisch ist die Platte ein ziemlicher Genuss für Fans von treibender Cyber-Clubmusik. Neben dem Album-Edit von Gothic Pussy (an dem ich mich schon auf dem Album Fall0ut Nation satt gehört habe) finden sich mehrere Mixe des Titels und zwei neue Titel, jeweils auch in zwei Mixen. Remixe kommen dabei unter anderem von X-RX, Santa Hates You und Suono, was die Tracks noch mal um einiges abwechslungsreicher und besser macht. Mehr oder minder die beste Auswahl an KünstlerInneN für diese Art der Musik – zumindest meiner Meinung nach.
Besonders gelungen ist Gothic Pussy (Pussy Lovers RMX By Pete&Triton) welches die Ansprache von Chet Pussy, vor dem Titty Twister in From Dusk Till Dawn einbaut. Sehr nette Idee.
Heteronormativität : 100%
Leider bleibt die Begeisterung aber auf die Musik an sich beschränkt, denn die EP strotzt nur so vor Heteronormativität. Dass es bei einer EP mit dem Wort Pussy im Titel nicht um eine EP handelt die sich nur mit Männer beschäftigt war zu erwarten. Auch, dass die Chance genutzt wird um eine nackte Frau auf das Cover zu holen, keine Überraschung. Interessant wird es wenn mensch sich ein wenig auf der Myspace-Seite der Band umschaut. Zu sehen gibt es bei den Bildern, dass es von der EP zwei Versionen der Ltd. Edition gibt. Zum einen gibt es die “PUSSY BOX Female” mit einer Schicken Filmdose, einen Slip, einer Postkarte, der EP, (scheinbar) einem Kondom und einem T-Shirt mit der Aufschrift “Gothic Pussy”. In der “PUSSY BOX Male” findet sich anstelle des Slips ein Poster mit dem halb nackten Model, was auch schon auf der EP zu finden ist und ein T-Shirt mit der Aufschrift: “Gothic Pussy Hunter”.
Na dann haben wir die Rollen doch mal gut verteilt, Männer sind die Menschen mit den Postern von halb nackten Frauen, die auf der Jagd nach “Gothic Pussys” sind und Frauen haben sich unten rum schön einzukleiden und darauf zu warten, dass sie ein Mann für sie fängt. Dass eine geneigte Frau vielleicht viel mehr Lust darauf hat selbst auf die Jagd zu gehen kommt genau so wenig in Betracht wie die Möglichkeit, dass es ganz nett wäre, wenn die “Beute” unten rum hübsch eingekleidet sein könnte, auch wenn sie männlich ist. Die Rollen sind klar verteilt und bleiben in der binären Geschlechterlogik hängen. So wundert es auch nicht, dass es ein Heten-Pärchen ist, welches im Video zu “Gothic Pussy (Horrorporn Edit)” knutscht.
Warum all die Aufregung
Eigentlich ganz einfach, ich habe keine Lust darauf mir die ziemlich gute Musik durch einfallslose Geschlechterarrangements kaputt machen zu lassen. Das ständige Bemühen von Heterosexualität tut so als gäbe es nichts anderes. Vor allem nervt es mich, da die Cyber-Szene eigentlich die Möglichkeiten bietet mich Geschlechterbildern zu spielen. Immer wieder sind Männer in High-Heels zu sehen und Frauen ziehen sich die zackigen Körperpanzer an, es gibt viele grelle Farben, es gibt viel Schminke und lange bunte Haare, bei Männern wie Frauen. Die Grenzen zwischen typisch männlich und typisch weiblich werden, zumindest optisch, verwischt. Warum dann nicht einfach mal ein Bisschen Mut und Kreativität darin gesteckt diese Grenzverwischung in die Musik und ins Merchandise zu übertragen?? Schade eigentlich.
Wer sich den anfangs misslungenen, zum Ende hin aber gelungenen Horrorporn Edit anschauen mag kann das gern hier tun:
@zebramaedchen hat heute auf Twitter einen twibbon gepostet, damit der eigene Twitteraccount als WM-Tweet-Frei gekennzeichnet werden kann.
Ich habe mal eben den Fußball gegen die Nationalfarben getauscht und nun beides auf meinen Avatar geklebt. Begründungen lassen sich für mich da viele finden. Den Twibbon könnt ihr euch gern auch holen und zwar hier als .psd.
Viel Spaß damit.
P.S.: Danke an @zebramaedchen für die Erlaubnis Teile ihres Twibbons zu benutzen
An dieser Stelle möchte ich auf eine Gewinnspiel positiv hinweisen. Zu Gewinnen gibt es Oswald Henke. Zumindest eine Lesung mit Oswald Henke und zwar direkt bei der/dem Gewinner_in zu Hause.
Auch dieses Gewinnspiel hat einen “Haken”, den ich aber für vertretbar halte:
Allerdings handelt es sich nicht um ein konventionelles Gewinnspiel. Oswald Henke gibt und nimmt gleichermaßen; der Gewinner muss sich die Lesung in seinem Wohnzimmer mit einem sozialen Projekt verdienen. – Werbetext
Der Genaue Ablauf:
Oswald Henke bietet eine Lesung im Gegenzug zu einem sozialen, engagierten und aktiven Projekt an, das ihn davon überzeugen muss, dass der Gewinner ein helfender Mensch ist. Es gibt keine Richtlinien, wie dieses Engagement auszusehen hat, einziges Prinzip ist, dass es der Gesellschaft oder dem Leben einzelner dient, sozial und am besten kreativ sein sollte. Wenn du gerne hilfst, engagiert und sozial bist, dann stelle Oswald Henke dein Projekte / deine Tätigkeit vor und bezahle damit eine ganz persönliche Leseperformance in deinem Wohnzimmer. Der Künstler wird die kreativste und nutzvollste Tätigkeit im sozialen Bereich auswählen und damit den „Gewinner“ küren. Je nach Größe der Bleibe sollte die Teilnehmerzahl nicht unter fünf und nicht über zwanzig teilnehmenden Zuhörern liegen. Der Einsendeschluss für diese Aktion ist der 31.07.2010. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. – Werbetext
Ich denke mal eine Gewinnerin ist nicht ausgeschlossen, wäre sogar wünschenswert.
Also, wenn ihr jemanden kennt der/die Interesse an der Lesung hätte und sozial aktiv ist, bitte weitersagen. Am liebsten wäre mir ja aus “der” feministischen/Frauen-Bewegung.
Das Anders-Sein gehört für mich zur Gothic-Electro-Szene dazu. Nicht nur, dass es für mich persönlich etwas für sich hat, von gesetzten Normen abzuweichen und etwas andere Möglichkeiten auszuprobieren. Es gehört auch zum weit verbreitetem Selbstverständnis vieler innerhalb der Szene. Das was durch den Mainstream (wobei der Mainstream immer wieder unterschiedlich wahrgenommen werden kann) und bestimmte andere Szenen (wie zum Beispiel die Hip-Hop-Szene als gesetzte Normen vorgelebt wird, kann als Referenzfolie für Andersartigkeit dienen.
Homophobie, (Hetero-)Sexismus, klischeehafte bis naturalisierte Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit sind weit verbreitete Phänomene der Mehrheitsgesellschaft. Aus einer kritischen Perspektive würde es sich also anbieten, dass sich eine Szene die sich auch über Andersartigkeit definiert gegen diese Phänomene des konstruierten Mainstreams wendet. Also nicht nur anders als der blöde Hip-Hopper und die oberflächlichen Leute aus dem Mainstream, sondern dezidiert antisexistisch, antirassistisch, antihomophob und generell offen für eine differente Lebensweise. Das müsste nicht zwangsläufig zu einer Homogenisierung der Lebensentwürfe führen, sondern könnte weiterhin Differenzen und Widersprüche zulassen, sogar herausfordern. Eine angenehme Vorstellung wie ich finde.
Leider ist diese Vorstellung eben doch nur eine Vorstellung und keine gelebte Realität. Immer wieder ist es eben eine eher oberflächlich verstandene Andersartigkeit, die sich an Musik und und Kleidung festmacht, an mehr aber nicht. Dafür drei Beispiele:
Frau als Werbeplattform
Für das bevorstehende WGT sucht die Band Ext!ze sogenannte Ext!ze-Girls, die für ihre auf dem WGT erscheinende EP “Gothic Pussy” Werbung machen. Bewerben kann sich frau auch zusammen mit den Freundinnen. Als Lohn für die Selbstvermarktung gibt’s ein T-Shirt und die Ehre mit der Band Party machen zu dürfen. Warum sich keine als männlich angerufenen Personen bewerben dürfen dürfte klar sein, nicht zuletzt aufgrund des EP-Namens.
Heterosexuelle Matrix
Das Projekt Nachtmahr hat eine neue Scheibe herausgebracht, Titel: Mädchen in Uniform. Den namensgebenden Titel gibt es auf der Myspace-Seite zu hören. An sich gibt der Titel einen guten Überblick über das was oberflächliche Andersartigkeit ausmachen kann.
“Mein Geschmack fällt aus der Norm, ich steh’ auf Mädchen in Uniform” – Nachtmahr – Mädchen in Uniform
Sicherlich weicht der uniformierte Kleidungsstil von bestimmten gesellschaftlichen Normen ab, sicher ist es noch (immer) was anderes, wenn gerade Frauen Uniformen tragen. Aber was ändert sich eigentlich wenn ein männlicher Interpret ein Begehren auf eine Frau in Uniform richtet. An sich bleibt alles im Rahmen der Heterosexualität und stellt damit ausschließlich modische Konventionen in Frage. Ein “aus der Norm”-Fallen klang für mich vielversprechender.
Homophobie
Gerade hat jemand aus meinem Freundeskreis Feuer gegeben bekommen, kommt die Bemerkung: “Das war aber eine nette Schwuchtel”. Auf mein Entsetzen hin: “Wie das ist doch keine Beleidigung”.
Andersartigkeit bedeutet für mich in diesem Zusammenhang zweierlei. Zum einen ist anders sein wenn ich auf meine Sprache achte. Wenn ich darauf achte, dass ich potentiell keine unbeabsichtigten Ausschlüsse produziere und vor allem, dass ich keine Menschen beleidige. Auch dann nicht, wenn die betreffende Person schon vorbei ist.
Zum anderen gehört für mich dazu andere Leute nicht aufgrund von einem bestimmten Aussehen in irgendeine Schublade zu stecken. Zumindest nicht was u.A. das Begehren angeht. Zum einen steht mir kein Urteil zu, zum anderen interessiert es mich auch nur eher am Rande. Toleranz war eigentlich mal ein konstitutives Element der Szene und für mich gehört Unvoreingenommenheit auch dazu.
Hoffentlich wird Toleranz wieder zu dem was sie war. Von Bedeutung.
Heute frisch aus dem Seminar gekommen und gleich wieder bei der re:publica reingeschaltet. Es lief eine für mich sehr interessante Runde: “Das andere Geschlecht – Sexismus im Netz”. Über Twitter habe ich dann schon erste Anzeichen bekommen, das wohl was los sein muss. Kurzhand an den Live-Stream und damit auch den Chat.
Zu sehen gab es einen Shitstorm vom feinsten. Beim Piratenweib gibt es eine detailliertere Schilderung der Abläufe. Ich kam erst später rein und konnte bis auf Shirtstorm nichts erkennen, bis das Panel vorbei war. Nun tauchen beim Piratenweib auch gleich Männer auf, die ihr natürlich “erklären”, dass das Trolle waren, das alles abgesprochene Aktionen aus dem k*chan sind und dass das alles gar nichts mit Sexismus zu hätte.
Kann natürlich auch Zufall sein, dass sich diese Trolle gekonnt dem üblichen Repertoire sexistischer Kackscheiße bedienen. Vielleicht ist es auch kontextsensitives Trollen. Gut, dass Mann uns das erklärt hat.
Ich kann mich natürlich irren, weil ich nicht jedes Panel sehen konnte, aber der Verdacht des Sexismus liegt für mich recht nahe, wenn ich mir das Panel mit Markus Beckedahl anschaue und keine Beschimpfungen und Verunglimpfungen laufen, wie bei diversen anderen Panels, aber dann bei Thema Sexismus im Internet ein Shitstorm in der Form losgeht.
Und selbst wenn es auch bei andere Panels zu Shitstorms gekommen ist ändert es nichts an der äußerst sexistischen Wortwahl. Es ist nicht nur die Tatsache, dass etwas in einem bestimmten Kontext passiert, sondern auch wie das passiert und der sexistische Gehalt dieser Beschimpfungen ist in keiner Weise wegzudiskutieren.
Dem ganzen wird dann noch die Krone aufgesetzt, der zu Ausdruck bringt, dass doch bitte alle Feministinnen sterben sollten. Noch Fragen zum Sexismus??
An dieser Stelle möchte ich dem Piratenweib meine Solidarität aussprechen. Ich finde es sehr gut, dass du auf die sexistische Kackscheiße aufmerksam machst.
Zur re:publica
Ich finde es sehr schade, dass sich im Rahmen der re:publica solche Szenen abspielen und das ganze noch mit dem Kommentar “Ihr seid der Chat” quittiert wird. Ich kann keinesfalls nachvollziehen, dass nicht reagiert wurde. Weder auf die homophoben Kommentare vorher, noch in dieser Situation. Wenn weder das Bannen noch das Ignorieren von einzelnen UserInnen technisch möglich ist, dann schaltet den Chat ab. Wenn dieser nicht abzuschalten ist, dann schaltet die Übertragung ab. Mir ist es lieber das Panel nicht (live) zu sehen, als zu sehen, dass Sexismus in Reinform eine Plattform geboten wird. Ihr organisiert die re:publica (dankenswerter Weise), aber damit steht ihr auch in der Verantwortung auf solche Sachen in adäquater Weise zu reagieren. Deswegen halte ich es für wichtig, dass ihr euch zu diesem Vorfall äußert und auch dazu äußert wie ihr in Zukunft mit solchen Vorfällen umgehen wollt.
Alles in allem bleibt nur das beschissene Gefühl, dass es wohl noch ein langer Kampf ist, bis diese Kackscheiße aufhört.