Es war wieder re:publica und ich habe ein wenig gemerkt, dass sie mich immer weniger interessiert. Das hat nicht unbedingt was mit der re:publica, den Talks oder den Leuten zu tun. Für mich hat es was damit zu tun, dass ich die re:publica seit gut einem Jahr für mich abgehakt habe, weil mir die Tickets zu teuer sind. Wenn ich das richtig mitbekommen habe fingen die bei 90€ an (bin mir da sehr unsicher, aber eigentlich ist es ja fast egal, ich habe es halt unter teuer abgespeichert). Dazu würden dann noch die Kosten für Anreise, Unterkunft und Verpflegung kommen. Ich würde grob überschlagen mindestens 300€ einplanen (müssen) denke ich.
Ein Freund von mir hat auf der re:publica gearbeitet und hat mir erzählt, dass es dort Freibier gab. Er beschwerte sich darüber, dass die, die sich die hohen Ticketpreise leisten könnten dafür nun auch noch mit Freigetränken belohnt würden. Eine Perspektive, die ich im ersten Moment geteilt habe und wohl auch weiter teilen werden. Auch wenn die Freigetränke dafür sorgen, dass die Kosten für den Aufenthalt auf der Konferenz insgesamt sinken.
Ich habe gerade einfach mal auf Twitter nachgefragt und @ihdl hat mich aufgeklärt:
@gendalus am zweiten abend gabs ne ganze zeit lang freigetränke von sipgate, am ersten abend gabs auch bier von nem andern sponsor (Link)
Auf der Webseite habe ich spontan keine Auskünfte darüber gefunden, wie sich die re:publica eigentlich finanziert, wie viel der Kosten eigentlich über die Ticketpreise reingeholt werden, wie viel Geld von Sponsoren kommt, welche Sponsoren vielleicht besonders stark an der Finanzierung beteiligt sind, usw. Was die Finanzierung angeht ist die re:publica eine Backbox. Und das obwohl wir doch immer Transparenz fordern. An dieser Stelle könnte die re:publica als Vorbild voran gehen und zeigen wie große Veranstaltungen transparent organisiert werden können. Wie auch das Engagement von Sponsoren transparent gemacht werden kann. Es könnte ein Experimentierfeld sein, auch mal im Vor- und Nachhinein zu diskutieren welche Priorität auf solchen Veranstaltungen herrschen. Ist es wichtiger mehr Geld in Infrastruktur zu stecken um zuverlässiges Netz zu bekommen, oder doch vielleicht mehr Geld in Freibier, oder mehr Geld um niedrigere und/oder sozial ausgestaltete Ticketpreise zu bekommen, oder umfassende Barrierefreiheit in den Talks… Das könnte dann transparent verhandelbar werden.
Also: Transparenz nicht nur von den anderen Fordern, sondern selber ausprobieren – re:claim Transparenz
Die Situation die mich gerade sehr beschäftigt beginnt in meinem Wahrnehmungsbereich in dem Moment, in dem über Twitter der Link zu einem Blogpost reinkommt. Verfasst von Noah Sow. Deren Lesung ich in Gießen leider verpasst habe. Ich las den Text und dachte mir die ganze Zeit abwechselnd *WTF* und *facepalm*. Ja, es können bei Veranstaltungen Sachen schief laufen. Das an sich ist dann auch noch kein Problem. Es scheint aber von den OrganisatorInnEn entweder niemand im Café gewesen zu sein, um die Location mal abzuchecken, oder niemand störte sich an dieser Lampe und/oder erkannte, dass diese Lampe ein no-go, nicht nur in diesem Zusammenhang, ist. Alle drei Möglichkeiten lassen unterschiedliche Schlüsse zu, die ich an der Stelle nicht vertiefen will. Jedenfalls wäre das ein Umstand gewesen, der locker vermieden hätte werden können; mit ein wenig sensibler Vorbereitung.
Der zweite, zeitlich davor liegende Punkt, ist die Unkenntnis, was hinter PoC steckt. Dass das Wissen darum nicht Usus ist, halte ich im Übrigen nicht für eine gültige Entschuldigung, sondern für ein Symptom. Denn es zeigt, dass die Auseinandersetzung mit Rassismus im Alltagsdiskurs nicht sonderlich differenziert ist. In der BRD verstehen wir mehrheitlich unter Rassismus eben die Einteilung in sogenannte Rassen und/oder die Diskriminierung von Menschen, denen zugeschrieben wird keine Deutschen zu sein (in der Alltagssprache dann Ausländer, Migranten oder Menschen mit Migrationshintergrund). Neben dem was im Alltag unter Rassismus verstanden wird, gibt es aber noch viele weitere rassistische Verhältnisse in unserer Gesellschaft. Diese sind in der Betrachtung meist ausgeschlossen. Was Rassismus ist und was nicht ist auch nicht unumstritten. So gab es bei der Frage, ob Sinti und Roma Entschädigungen für das während der Nazi-Zeit erlittene Unrecht zusteht keine Einigkeit. Es wurde gestritten ob die Verfolgung von Sinti und Roma rassistisch motiviert war (wobei es für mich gar keinen Zweifel daran gibt). Rassistische Verhältnisse sind vielfältig. Die Unkenntnis über den Begriff PoC ist dann nichts weiter als ein Symptom für einen verkürzten Diskurs, für eine unzureichende Auseinandersetzung mit dem Thema (durch uns alle).
Der Beitrag von Noah Sow endet mit dem Aufruf:
Aufruf: - Liebe weiße Antiras und Organisator_innen des Festival Contre Le Racisme in anderen Städten! Bitte erklärt diesen Menschen, was ihr Problem ist, denn ich bin zu müde dazu und muss mich damit beschäftigen, den Terror zu verdauen. Bitte erklärt doch auch präventiv dazu, warum die AStA meine Fahrt und Übernachtung trotzdem bezahlen muss. (Quelle)
Dem Aufruf folgt unter anderem @lantzschi. Ihr Beitrag dazu hier. Da es in der weiteren Auseinandersetzung nicht wirklich um den Inhalt des Beitrags geht, sondern mehr um @lantzschi als Person und alle Personen für die sie zu stehen scheint, werde ich auf den Beitrag nicht weiter eingehen.
Die Reaktion
Am nächsten Tag erscheint unter dem Titel “Im Herzen die Weißeste von Allen” ein Post bei Malte Welding. Der erste Beitrag, den ich von ihm gelesen habe. Und da war wieder dieses Gefühl zwischen *WTF* und *facepalm*. Und zwar weil der Post einmal richtig ins Internet kotzt, sich über geschlechtersensible Sprache lustig macht, versucht @lantzschi persönlich zu diskreditieren (eben anstatt sich mit der Position auseinander zu setzen) und das alles in einem herrschaftlichen Ton, der für mich am Ende sagt: Ich “habe halt einen Privilegienpenis und bin weiß wie Schnee.” (Quelle) Und das kann ich sein, denn ich habe deswegen nicht nur keine Nachteile, sondern auch noch Vorteile, HA!!
Besonders beachtlich finde ich dabei die Passage:
“Da lädt jemand eine Autorin ein, hat das Café, in dem gelesen wird, vorher nicht untersucht, und kennt die Abkürzung des in Deutschland nicht besonders üblichen Begriffs People of Color nicht: und wird dafür hingestellt, als hätte sie das Dritte Reich mit Gaskammern beliefert.” (Quelle)
Erstmal wird die Erfahrung von Noah Sow als unbedeutend, eine Lappalie hingestellt. Von einer Person, die nicht wissen kann wie es ist in dieser Situation ist. Ich kann auch nicht wissen, wie es in dieser Situation ist. Das ist genau der Grund warum ich diese Erfahrung nicht in Abrede stelle und in Abrede stellen würde. Was hier passiert ist nichts weiter als die Reproduktion von Machtverhältnissen; ein weißer Mann, der meint eine Situation, in der er nicht zugegen war und dessen Auswirkungen auf die Beteiligten er nicht verstehen kann(!) (und dass er sie nicht verstehen kann ist kein Vorwurf, sondern eine Tatsache), besser beurteilen zu können als eine der beteiligten Personen. Er sagt: Im Prinzip ist’s ja nicht so schlimm gewesen…
Dann wird auch noch die massenhafte, industriell organisierte Vernichtung von Menschenleben (in der Umgangssprache als Holocaust bezeichnet, obwohl unter anderen auch Sinti und Roma vernichtet wurden) als Gegenpol eingebracht. Diese soll im Satz den Gegenpol bilden, zu dieser doch total nichtig erscheinenden, also gar nicht erwähnenswerten Episode. Aber das ist nichts weiter als billigste Effekthascherei. Der Satz, kurz vor Ende des Artikels, soll am Ende noch einmal richtig reinhauen. Und da ist sich Malte Welding nicht zu schade auch noch den Holocaust aufzurufen. Das finde ich unglaublich schäbig. Ich finde, dass das ein Thema ist, dem es sich mit dem nötigen Ernst und der nötigen Sensibilität zu nähern gilt. Wer selbst dieses Thema nicht ernst genug nimmt und es einfach mal so gebraucht macht in letzter Konsequenz nichts weiter als das Thema zu verharmlosen, ob gewollt oder nicht. – Und das selbst wenn der inflationäre Gebrauch von Nazi-Vergleichen im Netz ja schon ein Treppenwitz ist -
Worum es eigentlich zu gehen scheint…
… schreibt Malte Welding später in einem Kommentar selbst: “ich bin, so sehe ich es nun einmal: nicht der Feind.” (Quelle) Denn die Diskussion die sich in Kommentaren, anderen Blogs und Twitter ausbreitete, hat für mich den Tenor, dass endlich mal einer auf den Tisch haut und was gegen diese besserwisserische Queer-Feministische-Antirassistische-PolitischKorrekte Szene sagt. Gegen die, die immer nur meckern… Julia Seeliger dazu: “Und wenn “ihr” (nämlich die super-oberkorrekten-queer-post-wasweißichwas-Checker_innen) meint, dass ihr mit einem solchen Ansatz Rassismus und Sexismus in diesem Lande (und außerhalb dessen bekämpfen) könnt, dann liegt ihr falsch.” (Quelle) “Ich zum Beispiel. Weil ich Gurkenkaiser, Lantzschi und andere mit ihrem nervigen queer-poststrukturalismus-Gelaber nicht mehr hören kann, sind sie auch nicht meine Bündnispartner. Es gibt keine Nähe mehr.” (ebd.) Und: “Mann, Gurkenkaiser – raffst du es nicht oder willst du es nicht raffen? […] Sorry, aber dich kann man nur noch anranten mit deiner theoretischen Arroganz. Und das mache ich sehr gerne.” (Quelle) Die Zitate sollen hierbei exemplarisch sein. Diese Position findet sich in vielen der Kommentare. Vielleicht nicht in der Deutlichkeit. Es scheint einen Frust zu gegeben, dass es da immer Leute (wahrgenommen aus immer der gleichen Ecke) gibt, die Kritik haben. Auch wenn das eigene Selbst einem/einer sagt, dass mensch selbst gar nicht das Problem ist. Das ich sagt “Ich bin doch eigentlich ok. Wir wollen doch das Selbe”. Ein Gefühl was ich auch kenne. Aber wer hat denn gesagt, dass die Menschen die Kritik äußern, sich für etwas besseres halten, arrogant wären, auf einem hohem Ross säßen?? Ich habe den Eindruck, dass es sich noch immer um Abwehr handelt. Der Abwehr der Kritik, die gegen das Ich geht, das ertappt fühlt. Meine These: Dieses Unbehagen kanalisiert sich an der Stelle eben in Vorwürfe und Unterstellungen. Denn neben dem zweiten Punkt, den ich gleich erläutern will, war nicht viel Argumentation. @ihdl fasst, meinen Eindruck nach, passend zusammen: “Was für Argumente eigentlich? es geht doch nur darum zu beweisen, dass man gar nicht so schlimm ist, um sich besser zu fühlen.” (Quelle)
Worum es aber auch geht…
… ist die Verschiebung von Verantwortung. Es geht um die Frage wer hier eigentlich wem was erklären muss und wer nach wessen Regeln spielen muss. Der zweite Strang der sich durch viele Postings zieht, ist die Forderung danach, dass doch bitte (für die kritisierte Person verständlich) erklärt werden soll, was die Kritik gerade meint. Es scheint die Erwartungshaltung zu geben, dass wenn jemand Kritik äußert die Person bitte auch haarklein erklärt was denn gerade das Problem ist, am besten sich noch dafür kritisieren lässt, was nur in Ausnahmefällen nicht dazu führt, dass am Ende die kritisierende Person die ist, die an allem Schuld sein soll. So gab es vor nicht allzu langer Zeit einen Podcast zur Gamescom, bei dem kritisch über den Sexismus bei sog. Messebabes (also Messehostessen) gesprochen wurde. Dieses Gespräch war der Aufhänger für ein weiteres Gespräch, in einem anderen Podcast mit zum Teil gleicher Besetzung, in dem sexistischer Scheiß über Messehostessen abgelassen wurde. Woraufhin es eine Beschwerde wegen eben diesem Scheiß gab. Darauf wurde reagiert, mit Abwehr und derailing. Ein Vorwurf war, dass wenn Leute ihre Kritik nicht äußern wollen, sie eben selbst scheiße sind. Es wurde eingefordert, dass die Personen die Kritik äußern, auch hier bitte erstmal ihre Kritik (konstruktiv) ausführen sollen. Ansonsten würde sich mit der Problematik auch erst gar nicht weiter auseinandergesetzt. Ich habe es persönlich auch nicht versucht es zu erklären und es haarklein auseinander zu nehmen, also den Erklärbären zu spielen. Das hatte für mich zwei Gründe. Ich hatte zum Einen den (persönlichen und ja, es kann natürlich alles anders gemeint gewesen sein, aber ich glaube dem Betroffenen nicht, eben wegen der benutzten Sprache – unter Anderem Getrolle) Eindruck, dass es nicht darum geht die Kritik zu bekommen, um sich damit kritisch auseinander zu setzen. Es schien für mich nicht darum zu gehen sich selbst zu überprüfen, es schien mir darum zu gehen etwas zu bekommen was widerlegt werden kann. Denn es ist eben schwer sich von einem Vorwurf frei zu sprechen den mensch gar nicht so wirklich kennt. Zum Anderen war es diese herrschaftliche Haltung, sich nicht mit Kritik auseinanderzusetzen, wenn hier nicht nach den eigenen Regeln gespielt wird, also die Kritisierenden sich dem Verlangen fügen die Kritik auszuführen. Um es zu veranschaulichen, es klingt nach “Mach was ich sage, erklär’ es mir oder ich ignoriere die Kritik. Denn ich kann es mir auch gut leisten es zu ignorieren.” Dass dann niemand bereit ist das ganze auszuführen ist für mich klar, denn es würde gleichzeitig die Unterwerfung unter diesen gesetzten Herrschaftsanspruch (“Du erklärst es Mir gefälligst”) bedeuten. Hier macht der Ton der Nachfrage eben einen großen Unterschied. Mit einer Nachfrage können unterschiedliche Inhalte transportiert werden. Ein interessiertes Nachfragen, welches deutlich macht, dass ein echtes Interesse an Selbstreflektion besteht ist eben was anderes als das Abfordern einer Erklärung. Einfach mal in die Situation versetzen und versuchen diese nachzuvollziehen.
Was ich gut verstehen kann…
… ist die Tatsache, dass es total schwierig und beunruhigend ist, wenn Kritik im Raum steht, die (auch potentiell) das eigene Selbst betrifft. Es geht mir darum zu zeigen, dass ich die Situation kenne, aber durchaus andere Reaktionen möglich sind. Ich war in der ersten Jahreshälfte auf einer Veranstaltung (da es hier nicht um die Veranstaltung an sich, sondern um die Situation geht, lasse ich das ganze abstrakt) bei der einige Konflikte aufgebrochen sind. Die Konflikte dreh(t)en sich um sexistisches Verhalten, Dominanzverhalten, um die Frage nach Ein- und Ausschlüssen und Privilegien. Es steht der Vorwurf im Raum, dass es Sexismus gab, dass es Dominanzverhalten gab, dass das zu Verletzungen und Ausschlüssen führt. Und ich saß da, war entsetzt, weil ich davon nichts mitbekommen habe und ich mich fragte “Habe ich was nicht mitbekommen”, “Habe ich was nicht mitbekommen und bin deswegen nicht eingeschritten”, “Bin ich damit gemeint und wenn ja was habe ich falsch gemacht”. Mich hat das nicht nur auf dem Weg nach Hause beschäftigt, sondern in dieser Intensität mindestens die gesamte darauf folgende Woche. Mir machte vor allem zu schaffen, dass die Kritik abstrakt, nicht konkret im Raum stand. Es hat mich gefrustet und aufgeregt, nicht genau zu wissen was das Problem ist, wo ich meinen Anteil dabei habe und wie ich mich verhalten kann. Zwischenzeitlich war ich auch wütend wegen der Situation. Aber ich habe nicht bei den Kritisierenden nachgefragt, nicht verlangt, dass mir jemand erklärt was denn jetzt schief gelaufen ist. Auch wenn es mir schwer fiel. Der Grund dafür, dass ich nicht nachfragte war kein Desinteresse. Ich wollte es wissen. Ich hatte aber vorher mitbekommen, dass es eben doch der einfachste Weg ist sich von anderen erklären zu lassen was denn gerade falsch gelaufen ist. Es entbindet eineN selbst nämlich davon das eigene Verhalten kritisch zu reflektieren. Und es macht doch auch einen schönen Anschein, dass das eigene Verhalten doch so lange ok ist, bis sich jemand beschwert. Als wäre alles in Ordnung wenn sich niemand beschwert. Aber das bürdet eben denen, die unter dem eigenen beschissenen Verhalten leiden, die Verantwortung auf, mein Verhalten zu reflektieren, mir den Spiegel vorzuhalten. Quasi eine doppelte Vergesellschaftung dieser Personen. Und nein, ich will die Verantwortung für mein Verhalten niemandem anderen aufbürden, soweit es geht. Ich habe mir in meinem Umfeld Personen gesucht, mit denen ich über das ganze reden konnte, die unbeteiligt waren. Und ich habe gemerkt dass ich die Kritik aushalten kann. Ich habe gemerkt, dass es mir hilft über mich und mein Verhalten nachdenken zu können, wenn ich eben nicht versuche einfach Kritik einzufordern. Denn diese Kritik würde die Betrachtung wieder nur Fokussieren und damit blinde Flecken, Leerstellen lassen. @ihdl gab zu dem Thema den richtigen “tipp: die abwehrreaktionen bei der frage, was strukturelle dominanz mit einer selbst macht, erstmal im inneren dialag durchgehen” (Quelle). Kritik aushalten, sich mal selbst fragen. Für mich war es der richtige Weg im Umgang mit der Situation. Try it yourself.
Es bleibt am Ende aber wieder vieles ungeschrieben, aber das musste ich mir auch einfach von der Seele schreiben. Nicht um mich über jemanden zu stellen. Nicht um auf einem hohen Ross zu sitzen, sondern in der Hoffnung, dass diese beschissenen Verhältnisse am Ende des Tages ein wenig weniger beschissen ist. Vielleicht um ein wenig Anregung gegeben zu haben.
In meinen Studium setze ich mich unter anderem mit Netzpolitik auseinander. Ein Themenfeld zu dem es vergleichsweise wenig wissenschaftliche Literatur gibt. Viele Quellen sind dabei im Netz. An sich kein Problem, denn die Politikwissenschaft ist darauf vorbereitet, dass es Quellen im Internet gibt. Quellenverweise werde im Leitfaden für das (politik)wissenschaftliche Arbeiten (aus Marburg) sieht dabei Beispiele wie folgt vor:
Paust, Andreas: Erfolgsbedingungen und Wirkungen von kommunalen Bürgerbegehren. 2003. – http://www.buergerbegehren.de/texte/dresden.htm, Zugriffsdatum: 14.04.2004
Schubert, Klaus / Klein, Markus: Das Politiklexikon. Kap. Volksabstimmung. in: Das Politiklexikon. Bonn : J.H.W. Dietz, 2001. – http://www.bpb.de/popup_lemmata/ ZH4N1X/Abstimmung.html, Erstellungsdatum: 14.04.2004
Problematisch dabei für mich ist, dass die Wissenschaft bisher nicht darauf vorbereitet ist, dass Wissen über ein anderes Medium als geschriebenen Text verbreitet wird. Nicht zuletzt durch eigene Produktionen weiß ich, dass Wissen auch über Vorträge und Ähnliches verbreitet wird. So erscheinen zu längst nicht allen Vorträgen, die als Podcasts im Netz zu Verfügung stehen, auch entsprechende Artikel oder Bücher. Oder diese Artikel und/oder Bücher sind nicht verfügbar oder sind unerschwinglich. Ein Problem auf das ich häufiger gestoßen bin.
Podcasts (oder auch einfach nur Audio-/Videoaufnahmen) können dabei eine Quelle wie jede andere sein. Sie können eine wissenschaftliche Abhandlung zu einem Thema sein. Sie können aber auch eine Dokumentation einer Veranstaltung sein, zu der kein Protokoll existiert, oder das Protokoll, wenn es kein Wortprotokoll ist, ist durch Zusammenfassung vielleicht verfälscht. Es spricht an der Stelle sogar einiges dafür eine Aufnahme einem Protokoll vorzuziehen. Bisher fallen mir keine zwingenden Gründe ein, warum Podcasts nicht als Quellen geeignet seien sollen, wäre an Kritik aber sehr interessiert.
Nun gibt es meiner Ansicht nach zwei Möglichkeiten mit solchen Aufnahmen umzugehen. Zum einen könnte die Aufnahme, analog zu aufgezeichneten Interviews im Rahmen qualitativer Analyseverfahren, komplett transkribiert werden. Hier kämen gleich mehrere positive Aspekte zusammen. Zum eine wird die Aufnahme durchsuchbar und es lassen sich eben qualitative Analysemethoden auf den Text anweden. Auch werden Audioaufnahmen für Personen zugänglich, die nicht oder nur schlecht hören können. Gerade für wörtliche Zitate ist es eh unabdingbar zu transkribieren. Nur muss ich auch sagen, dass es schlicht schwer möglich ist, viele Audioaufnahmen zu transkribieren. Das wird im Studium gerade für Bachelor-StudentInnEn zunehmend unmöglich, da der Aufwand unglaublich hoch ist – die Faustformel lautet, dass auf eine Minute Aufnahme ca. 10 Minuten Transkribieren kommen. Das ist selbst für mich nicht wirklich leistbar. Ich habe in meiner aktuellen Hausarbeit drei Aufnahmen verarbeitet.
Zum anderen kann die Aufnahme auch wie ein Artikel behandelt werden. Beim Zitieren und Belegen von Artikeln geht es ja darum die Referenz zur Quelle des Gedankengangs, der Zahlen oder der Forschungsergebnisse offen zu legen. Das Ziel ist dabei Nachvollziehbarkeit. Diese ermöglicht auch die kritische Überprüfung der zugrunde gelegten Daten. Die Referenzen sollten meiner Ansicht nach so genau wie möglich sein. So lehne ich es ab einfach nur komplette Artikel zu referenzieren, wenn es um einen expliziten Gedankengang oder spezifische Daten geht. So eine Praxis findet sich oft in US-Amerikanischen Journals. Mindestens die Eingrenzung auf Seitenzahlen muss dabei sein. Seitenzahlen machen es den LeserInneN viel einfach die Quelle nachzuvollziehen. Nun haben Aufnahmen leider keine Seitenzahlen. Selbst dann nicht, wenn sie transkribiert worden sind. Deswegen schlage ich vor die Quellenangaben einfach mit Time-Codes zu versehen. So zitiere ich in meiner aktuellen Hausarbeit wie folgt im Fließtext:
(vgl. Beckedahl: 2011a, ab 00:20:00)
Natürlich verbunden mit der ordentlichen Quellenangabe im Quellenverzeichnis:
Beckedahl, Markus (2011a): Markus Beckedahl – Die Digitale Gesellschaft erklären. http://www.youtube.com/watch?v=Cg1iXsWoALc. Zugriffsdatum: 20.09.2011.
Hätte ich wörtlich zitiert, dann wäre mir das Transkribieren nicht erspart geblieben. Aber so ist es möglich das Gesagte zusammen zu fassen und trotzdem möglichst zielgenau zu belegen.
Zwei Fragen zum Schluss. Sind euch schon mal andere Möglichkeiten zum Belegen unter gekommen?? Und wie könnte diese Art noch verbessert werden??
Endlich komme ich dazu den Brief And One’s an ihre Fans zu kommentieren.
Steve hat diesen Brief am 22. Juli schon veröffentlicht und versucht darin deutlich zu machen, warum And One nach dem dritten Konzert der Tour mit Unheilig die restlichen Termine der Tour abgesagt hat. Ich spare mir an dieser Stelle jeglichen Spott, jegliche Häme über die bittere Erkenntnis was es bedeutet mit dem Grafen aufzutreten.
Viel interessanter als die eigentliche Nachricht und die eigentliche Erkenntnis von Steve finde ich was er beiläufig zu Themen geschrieben hat, die mich hier und Adrian Langhier beschäftigt haben. Denn Steve nimmt unter anderem Bezug auf den Titel Zerstörer:
“Den Kommerzvorwurf hatte ich am Anfang auch garnicht richtig verstanden, zumal ich mir sicher war, dass unsere Fans eigentlich am besten wissen müssten, dass eine Band, die “Deutscher sei Stolz” oder “Sieger ficken keine Tunten” singt, monatelang kein einziges Interview gibt, mit Armbinde auf der Bühne rumprollt oder wie bei der letzten Platte nicht mal eine einzige Single auskoppelt wohl alles andere vorhat, als sich beim VIVA oder Radiopublikum einzuschleimen. Ich dachte, dass wäre allen klar!?” (Quelle)
Klar wird an der Stelle, dass wohl einige Sachen doch nicht so klar sind wie Steve denkt. Es scheint als würden Textpassagen wie “Sieger ficken keine Tunten” und “Deutscher sei Stolz” vor allem in den Texten auftauchen um zu provozieren. Um sich von VIVA- und Radiopublikum klar abzugrenzen. Und den Leuten in der Schwarzen Szene und den Fans müsste also klar sein, dass es nur Provokation ist, ein Spiel mit Tabus. Naja, dem scheint ja nicht so…
Aber gegen wen soll sich denn diese Provokation richten?? Mit was sollen denn provoziert werden?? Das VIVA- und Radiopublikum kann sich ja nur durch Aussagen provoziert fühlen, die seinem Einstellungs- und Normenset widerspricht. Da wäre die Möglichkeit, dass allein die Erwähnung von “Ficken” provozieren soll. Ganz ehrlich, wer auch im Mainstream fühlt sich denn heute noch wirklich provoziert, wenn irgendwo “Ficken” gesagt wird?? In einer Zeit in der es “Ficken” sogar als Getränk gibt. Ich will nicht sagen, dass sich niemand provoziert fühlen würde, aber das Gros der Leute reagiert auf “Ficken” wohl eher gelangweilt als schockiert… Übrig bleibt die Möglichkeit, dass die in “Sieger Ficken keine Tunten” deutlich werdende Homo-/Tuntophobie provozieren soll. Das würde dann bedeuten, dass das “Politisch Korrekte” Publikum von Radio und VIVA sich an Homophobie stören muss. Nun stimmt es zwar, dass immer häufiger, nach ausländerInnEn-, juden-, LGBTQ-, frauen-, usw.-feindlichen Witzen Menschen einschreiten und die Witze dann entschuldigt werden, dass es doch nur Humor sei, aber von einer “Politisch Korrekten” oder um es treffender zu sagen von einer respektvollen, offenen und toleranten Hegemonie sind wir ziemlich weit entfernt. Oder wo waren die großen Proteststürme wenn homophobe MusikerInnen wie Eminem, die “No-Homo”-Fraktion der US-Rapper, usw. bei VIVA oder im Radio vorkommen?? Ich kann mich nicht erinnern…
Im Gegenteil, soweit ich das sehen kann ist es noch immer hegemonial, dass Witze über so genannte Minderheiten gemacht werden, dass Homosexuelle u.a. bei Erbschaften, Lebenspartnerschaften und Steuern benachteiligt werden. Und während ich dies schreibe lese ich über Twitter, dass an eine Wand des Autonomen Schwulen-Trans*-Queer-Referats der Uni Gießen u.a. ein Hakenkreuz gesprüht wurde. Um es kurz zu machen: Homophobie, wenn auch nicht immer ganz offen, gibt es noch immer im Mainstream dieser Gesellschaft, der wohl mit VIVA- und Radiopublikum gemeint war. Konsequenterweise würde das bedeuten, dass sich eine Band die den Mainstream provozieren will nicht homophoben Zeugs bedienen, sondern dies kritisieren sollte. Das nackte Gesicht ihrer mainstreamigen Selbst zeigen, mit all der Intoleranz in den Köpfen dahinter. Chance vertan… So kichern nur die, die mit dem Text kein Problem haben und den Text “rebellisch” finden, was er nicht ist. Der Text eckt an, aber eben nicht bei dem VIVA- und Radiopublikum, sondern bei Leuten aus der Szene die ein Problem mit Homophobie haben… Und wenn das so der Fall ist, dann war es entweder Absicht, dass diese Leute getroffen werden oder handwerklich schlecht.
Und der normale Sexismus
Zum Abschluss noch zwei Zitate, der erste soll vergleichend erläutern, dass die richtigen Leute Sachen schon nicht falsch verstehen:
“Das fühlt sich an wie eine alte Ehe, wo der Mann der Frau hinterherruft “Wenn du aus der Küche zurückkommst, dann bring Bier mit, du dusselige Kuh!” und die Frau kichert ihn darauf mit nem süßen Blick an.” (Quelle: ebd.)
Es braucht wohl keine weitere Erläuterung. Und dass Steve ein ganzer Mann ist beweist er natürlich auch:
“Ich war wieder ganz der Alte und meine Batterien waren wieder voll aufgeladen. Mein Schatz hat dies in der selben Nacht noch zu spüren bekommen! Die Arme! Mittlerweile kann sie aber wieder gerade laufen ” (Quelle: ebd.)
Insgesamt erklärt der Artikel vieles, auch Fragen die er sicher nicht beantworten wollte. Leider macht es das nicht besser…
Die Rahmendaten zuerst: vom 15. – 17. Juli 2011 war ich im Rahmen des Amphi-Fesitval 2011 unterwegs, Freitag früh hin und Sonntagnacht zurückgefahren. Im Folgenden dazu wie es mir gefallen hat und was so los war. Am Ende das was ich in der Besucherumfrage angegeben habe.
Das Line-Up
Das Line-Up kann ich kurz machen gefiel mir ziemlich gut. Nitzer Ebb, Samsas Traum, Die Krupps, Agonoize usw. Meinen Geschmack hat es getroffen, die meisten Auftritte waren super. Highlight dabei war für mich, dass am Ende des Auftritts von Nitzer Ebb die Krupps mit auf die Bühne kamen und zusammen performed haben. Dazu auch das Video (solang Youtube das ganze im Netz lässt)
Das Drumherum
Wir sind früh angereist und sind dann halb vier (eine halbe Stunde vor Öffnung des Camping-Platzes) zum Campingplatz hin und standen in der Schlange. Um vier ging es los, die Abfertigung war schnell und Problemlos. Schnell wurde ein Platz zugewiesen, die Leute haben sich gegenseitig geholfen (danke für die Luftpumpe, denn in der Hitze von Lunge aus aufpusten war echt anstrengend). Was nicht so klasse war, war dass das ganze in der brütenden Hitze war, Schlange stehen und alles. Ein wenig Schatten wäre für Schwarztragende in der prallen Sonne doch ganz gut. Ob der gelandete ADAC-Hubschrauber wirklich eine bewusstlose Person abgeholt hat kann ich dabei nicht sagen. Grundsätzlich klappe es aber viel besser als letztes Jahr beim Mera Luna.
Der Tanzbrunnen war zwar doch recht weit weg vom Campingplatz, aber der Tanzbrunnen ist als Location ziemlich cool. Die Mainstage mit Schattenspender und “Regenüberdachung”, das Staatenhaus mit Café und Bühne und das Theater mit dem Vortragssaal ist schön, dazu gibt es Verkaufsstände in einem Ring um den Brunnen in der Mitte angeordnet. Sehr fein. Insgesamt war es zwar schon recht voll, vor allem Abends vor der Mainstage oder im Staatenhaus, aber es ging echt noch, auch wenn das aus der Menge rauskommen während der Lakaien schwierig war, weil es regnete und die Leute sich einfach unter die Schirme drängten. Nicht so gut war die Belüftung im Staatenhaus. Bei Covenant fiel das Atmen schwer und mit Asthma wäre ich wohl verloren gewesen. Was ich mir von einer Asthmatikerin habe bestätigen lassen. Gute körperliche Verfassung war da leider Grundvorraussetzung.
Als Verpflegung gabe es Verschiedenes. Asianudeln, Pizza, Krustenbraten, Steaks, Reibekuchen (Kartoffelpuffer), Hamburger usw. Soweit ich sehen konnte war auch für die vegetarische Ernährung einiges dabei. Vegan würde ich sagen gab es nichts, aber ich lasse mich eines besseren belehren. An Getränken gab es von Kölsch bis Met einiges. Auch nichtalkoholisches. Leider lassen sich keine Getränke oder so mit auf das Gelände nehmen. Die VeranstalterInnen versuchen das wohl mit dem Tanzbrunnen rauszuhandeln, aber das klappte bisher nicht. Der Effekt, dass die Preise aufgrund mangelnder Verluste durch mitgebrachte Getränke niedriger wären war leider falsch von mir gedacht. Leider ist es eher so, dass die mangelnde Konkurrenz dazu geführt hat, dass die Preise hoch waren.
Reden wir doch mal über Geld
Im Anschluss an nrrrdz000007 werde ich mal ein wenig über Geld reden. Die Tickets haben für ein Wochenende 56€ + Gebühren gekostet. Dazu kommen noch mal 18€ für das Camping. Also Minimum 74€ als Grundpreis. Google Maps sagt, wir wäre 148 Kilometer hingefahren, bei einem Verbrauch von durchschnittlich 6 Litern Diesel und einem Dieselpreis von 1,45€/L macht das auf zwei Personen pro Person noch mal 12,90€ für die Anreise mit 4€ Parkgebühren für das Wochenende. Also 86,90€ bisher, noch ohne jegliche Verpflegung.
Die Preise auf dem Festivalgelände, auf was keine Getränke oder Essen mitgebracht werden durfte waren eine Frechheit… Das 0,5L Bier kostete 4€ + 50 Cent Becherpfand. Wenn ich mich richtig erinnere gabe es kein Getränk unter 3,50€ zu kaufen. Das einzige was es als Alternative gab war ein Wasserspender, an dem sich Leitungswasser kostenlos geholt werden konnte. Cocktails schlugen gleich mit 7,50€ zu Buche. Ähnlich sah es beim Essen aus. Eine kleine (keine Minipizza, aber kleiner als die im Supermarkt) Pizza mit Schinken oder Salami 7,50€, die Magharita etwas günstiger, der Krustenbraten im Brötchen, wahlweise mit Kraut, 5€. In dem Rahmen lag auch der Rest. Ich weiß zwar, dass sich das ganze auch finanzieren lassen muss, aber was eindeutig für mich ist, ist dass hier einfach Menschen mit geringem Einkommen klar das Nachsehen haben und Nachsehen kann dann eben heißen, dass sie nicht kommen können oder sich, wenn sie es hin schaffen, nichts zu Essen holen können.
Ich möchte dazu einen Vergleich anstellen. So sind im Hatz IV Regelsatz (Quelle) für “Freizeit, Unterhaltung, Kultur” 38,71€ eingeplant. Um die Tickets für das Wochenende und Zelten (weil günstiger), unter der Vorraussetzung, dass ein Zelt schon vorhanden ist, finanzieren zu können muss eine Person im ALG II zwei Monat fast komplett auf alle Ausgaben für ”Freizeit, Unterhaltung, Kultur” verzichten. Dazu dann der Anteil für “Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren” mit 132,71€, also bei einer/einem NichtraucherIn in einem 30-Tagemonat 4,40€ am Tag für ”Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren” heißt, dass es nicht einmal für ein Bier (mit Pfand) reicht, wenn der komplette Tagessatz für Ernährung aufgebracht wird. Und selbst ohne Getränk reicht es kaum um überhaupt was zu Essen zu bekommen… Das einzige was bliebe wäre dann der gut 45 Minuten dauernde Fußweg zum Campingplatz und zurück, wenn der Hunger kommt. Da ist dann mindestens eine Band verpasst… Oder sich das Essen vom Mund absparen.
Solche Preise nehmen in Kauf, dass sie viele Menschen ausschließen, die es sich nicht leisten können. Das gilt dabei genau so für den Niedriglohnbereich. Und die Rechnung ist ohne die auch nicht günstigen Szene-Klamotten.
Mit den gut 100€ die ich für das Ticket für die Warm-Up-Party, Verpflegung außerhalb und innerhalb des Festivalgeländes (20 € für ein T-Shirt) ausgegeben habe komme ich also auf 190,90€ insgesamt. Ein stolzer Preis für ein Wochenende…
Was es wieder schwer macht
Was es mir wieder schwer macht, das Festival genießen zu können sind nicht nur, dass es wie immer einige gibt, die keine Rücksicht auf andere nehmen usw., sondern sind beschissene Sachen wie, dass HONEY von Welle:Erdball alle Sachen die er scheiße findet als “schwul” bezeichnet. So bei seinem Vortrag zu C64 Pornographic Art wo er von “schulen PCs” redet oder bei seinem Auftritt mit der Funkhausgruppe bei dem er sich über den “schwulen Mikrofonständer” beschwert… Und da er sowas auf dem Welle:Erdball Konzert in Marburg auch schon gebracht hat gehe ich mal davon aus, dass es wohl zu seinem normalen Sprachgebrauch gehört… Um es klar zu sagen: HONEY diese homophobe Kackscheiße die du da abziehst ist zum Kotzen und hat mit den Ansprüchen der Szene halt mal nichts zu tun… Und das die Frau auf der Bühne fragen, ob sie beim C64 spiel schlecht abgeschnitten hätte, weil sie doch bestimmt Hetero ist und deswegen die Frau, die im Spiel “befriedigt” werden musste, “nicht so gut befriedigen” konnte wie die beiden Kerle?? WTF?? Das ist nicht mal ein niveauloser Kalauer…
Zu den Ausfällen von HONEY kam noch Mark Benecke, der einen unterhaltsamen Vortrag abgeliefert hat, aber dabei auch nicht auf frauenfeindliche Sprüche à la Mario Barth verzichten konnte… Auch dir ein ungläubiges WTF?? Meint ihr, dass so der Umgang in der Szene aussehen soll?? Mit so einem Verhalten macht ihr es einigen Leuten nicht nur schwer sich in der Szene wohl zu fühlen… Zum Kotzen…
Neues vom Moshpit
Ich habe ja schon einmal über meine Eindrücke zu Moshpits geschrieben, es gibt aber auch neue. Im Nitzer Ebb Video ist ja ganz gut zu sehen wie es zuging. Eigentlich standen wir gut 10 Meter weit weg vom Moshpit, weil wir nicht in der Nähe stehen wollten. Weit gefehlt. Als es uns zum ersten Mal fast umgehauen hätte hieß es von einer beteiligten Frau “Willkommen bei Nitzer Ebb”. Interessant war, wie ausgelassen sich die Männer (es waren wieder ca. 90% Männer im Moshpit) in den Armen lagen, sich zum teil auf den Kopf oder so küssten und miteinander umgingen als wären sie schon immer die besten Freunde gewesen. Es machte zum einen den Eindruck, dass so ein Moshpit ist wie eine verabredete Schlägerei von Hooligan-Gruppen ist, die ja scheinbar auch eine unglaubliche Befriedigung zu empfinden scheinen, wenn sie sich gegenseitig angehen können. Zum anderen hatte es was von Fußballfans, die sich aus Freude in den Armen liegen sich küssen usw., über jeglichen Verdacht der Homoerotik hinweg. Leider diesmal auch wieder dabei, Leute die ich schon öfter gesehen habe, die einfach Leute vor lauter Moshpit in andere, die nicht mitmachen wollen reinschieben, ohne jegliche Rücksicht auf Verluste…
Zum Schluss der Auswertungsbogen für das Festival
Welche beiden Bands haben Dir am besten gefallen ?
Nitzer Ebb
Samsas Traum
Welche beiden Bands haben Dir am wenigsten gefallen ?
Saltatio Mortis
Subway to Sally
Was hat Dir beim Amphi Festival 2011 besonders gut gefallen (in Stichworten) ?
die Stimmung, das LineUp, die Location
Was hat Dir beim Amphi Festival 2011 nicht gefallen (in Stichworten) ?
sexistische Kommentare von Mark Benecke, Schwulenfeindliche Kommentare von HONEY, die Preise
Was hast Du beim Amphi Festival 2011 vermisst (in Stichworten) ?
die Nähe von Location und Camping-Platz
Bitte beurteile mit Schulnoten (1 = sehr gut bis 6 = ungenügend):
Festival insgesamt 2
Bandauswahl 1
Bühnenprogramm im Theater 3
Aftershowparties im Theater 3
Café im Staatenhaus 2
Zeltplatz (Jugendpark) 2
Qualität des gastronomischen Angebotes 2
Preise des gastronomischen Angebotes 6
Einlass-Situation / Bändchenumtausch 1
Toiletten (Anzahl/Qualität) 2
Unsere Festival Website2
Security 1
Festivalmerchandise 2
Zum nächsten Amphi Festival 2012 kommst Du ?
wahrscheinlich wieder
Wo informierst Du Dich über das Amphi Festival? (Mehrfachnennungen möglich)
Webseite
Welche Festivals hast Du 2011 bereits besucht und welche Festivals besuchst Du 2011 noch?
Sonstiges – Neuwerkfestival
Welche Bands würdest Du gerne beim Amphi Festival 2012 sehen ?
Mit Mein Eigentliches Element (Amazon-Link) hat Grausame Töchter ihr erstes Album veröffentlicht. Mit einer Mischung aus Electro, EBM, Noize, Industrial und Punk deckt Grausame Töchter ein relativ breites musikalisches Spektrum ab. Im Mittelpunkt steht dabei Aranea Peel, ihre Texte und ihr Gesang. Dabei stellt die Musik einen Kontrast dar zu üblichen Klischees der Szene, Frauen wären nur Mäuschen die “musikalische Streicheleinheiten” bekommen müssten (wie And One zu berichten wissen) oder dass wirklich hart nicht Männer sein können (und eigentlich auch sein müssen). Denn Aranea Peel ist Jungdomina (Link ist NSFW) und verarbeitet BDSM auch in ihren Texten, in der Musik und im Auftreten auf der Bühne (wobei ich noch keinen Auftritt gesehen habe).
Dabei sind die Texte wie zu erwarten hart, obszön und machen deutlich wer die Lack-Hosen an hat. Denn an ihrem Herrschaftsanspruch lässt Aranea Peel keinen Zweifel. Es bleibt aber nicht bei dem Klischee, dass das Herrschaftsverhältnis spielerisch herumgedreht wird. Denn in Bis das Blut fließt offenbart sich Aranea Peel mit den Worten “Mein Ekel lässt mich alle Männer hassen, nur Mädchen dürfen mich anfassen” als lesbisch. Den Hass auf Männer relativiert sie aber in einem Interview mit Cyber-Angels.nl in dem sie schildert, dass sie mit Männer zwar keinen Sex hat, aber BDSM mit sehr unterwürfigen und masochistischen Männern in Frage kommt. Was bei ihrem Beruf sicher von Vorteil ist…
Interessant finde ich den Kommentar:
“I am for radical emancipation and as well for radical sexualisation.It’s not liked by traditional men nor by feminists.” (Interview)
Denn bisher weiß ich nicht was ich davon halten soll, was hinter einer radikalen Sexualisierung stecken soll… Wäre sicher interessant zu erfahren. Gerade die Frage danach was sexualisierte Frauen sein sollen wird leider auch nicht deutlich, wenn Zillo dem Label Dark Dimensions in den Mund legt: “Die Band sei ein Sprachrohr für selbstbewusste und sexualisierte Frauen der Schwarzen Szene […]” (Quelle)
Dark Dimensions schreiben auf ihrer Webseite: ” “Grausame Töchter” ist ein böser grenzüberschreitender Trip in den Abgrund der eigenen Seele, in die eigene dunkle Lust und Gier; ein Trip der alle Tabus und Konventionen über Bord wirft.” Tabus werden durch die Band zwar auf alle Fälle gebrochen, stereotype Konventionen der BDSM nicht durchbrochen werden. Herrschaft und Unterwerfung scheinen absolut. BDSM wird nicht als eine (kritische) Auseinandersetzung mit Herrschaft gesehen sondern scheint ausschließlich praktiziert. Anregungen um über Macht in (queerem) BDSM nachzudenken gab Robin Bauer, der bei der Veranstaltungsreihe “Sex.MACHT!Spaß?” einen Vortrag zu dem Thema gehalten hat. Zu finden beim femarchiv potsdam.
Alles in allem ist die Platte Mein Eigentliches Element eine Empfehlung für FreundInnEN der elektronischen Musik, die von Mackerrumgeprolle à la And One genug haben. Ich warte weiter auf mehr davon.
Heute kam bei Telepolis die Meldung durch, dass sich die Intressensgemeinschaft Antifeminismus Deutschland (IGAFD) als bundesrepublikanisches Pendant zur Interessengemeinschaft Antifeminismus (ursprünglich in der Schweiz gegründet) gegründet hat und sich nun im Web präsentiert. Die Webseite lohnt aber mehr als einen Blick auf die üblichen Parolen. Denn es hat sich ein wenig getan.
Die IGAFD versteht sich nämlich als … *trommelwirbel* … Franchise-Dienstleister. Was aber auf der Seite des Franchise-Angebotes auffällt ist, dass ca. 40% der angebotenen Banner weder im Firefox 4 noch im aktuellen Safari (beides Mac) richtig angezeigt werden. Opera schafft es. Ich tippe einfach mal darauf, dass der FF es auf Windows nicht schafft. Damit schafft es dieser “Franchise-Dienstleister” also schon einiges an “Potential” durch fehlendes Web-Know-How zu verlieren. Was mich nun aber nicht sonderlich stört.
Die Frage ist nun was daraus folgt, dass Antifeminismus als Franchise existiert. Bisher gab es einige Blogs, Foren, ein Wiki und einige statische Webseiten von denen aus mehr oder weniger “krasser” Antifeminismus verbreitet werden sollte. Dabei schienen die Blogs und statischen Webseiten von je einer oder nur wenigen Personen betrieben worden zu sein, so dass es ein erkennbar kleiner Teil von Personen war, der diese Seiten betrieb. Bei den Foren war das ungleich schwieriger, da hier die Möglichkeit besteht fake-Accounts einzurichten und sich selbst Recht zu geben und eine große NutzerInnenbasis vorgetäuscht werden kann. An wirklich belastbare Daten kommen dabei nur die BetreiberInnen des jeweiligen Angebotes, die natürlich kein Interesse daran haben akkurate Zahlen bekannt zu geben. Durch die Verbreitung von Bannern und Bildern lässt sich aber eine geschlossene bewegungsartige Gruppe simulieren hinter der aber in Wirklichkeit nur ein paar wenige Personen stecken können. Eine Überbewertung der personellen stärke dieser politischen Kräfte läge dann nahe. Obwohl ich hier nicht behaupten möchte, dass dieser Personenkreis ungefährlich wäre, denn es ist eben nicht klar, ob hinter den zum Teil fanatisch wirkenden Texten, ein politisches Kalkül zur Agitation oder ernst gemeinte Gedanken stecken, die auf Verfolgungswahn hindeuten. So ist eben die Frage in wie fern die Drohung ernst zu nehmen ist, dass in Köln und Hamburg Personen in Frauenhäuser eingeschleust werden um diese “auszukundschaften”. Wobei es bei der Formulierung “Frauenhäuser sind rechtsfreie Räume…” doch eher humoristischen Charakter bekommt.
Neu ist auch, dass es nun Personen gibt, die sich zur WikiMANNia “bekennen”. Denn bisher war in deren Impressum nicht zu erkennen wer hinter dem Projekt steht. Auf der Seite der IGAFD steht die WikiMANNia nun als Francise-Nehmer, womit auch die WikiMANNia als Projekt des Umkreises der IGAFD angesehen werden kann. Interessant ist dabei, dass bisher stark auf anonymität geachtet wurde, um (nach eigener Aussage) Benachteiligungen im Alltag und beruflichem Leben zu vermeiden, wie es ja an Thilo Sarazzin und Eva Herman zu sehen gewesen wäre. Sich in eine Reihe zu Stellen, mit einer Person, die behauptet, dass manche Menschen genetisch einfach schlechter wären, weil sie einer bestimmten Ethnie zugehörig sind, lässt dabei tief blicken. Denn entweder ist die dahinter stehende Aussage, dass Sarazzin zu unrecht seinen Posten verloren hat, inhaltlich aber Recht hat (nach dem Motto “Mann muss das doch mal sagen dürfen”) oder dass die Betreiber der Seite inhaltlich so “flexibel” sind, dass eben auch Sarazzin Kronzeuge für die eigene Argumentation taugt, egal ob die Aussagen abgelehnt werden.
Zum Abschluss noch ein paar der vielen Aufregen auf der Seite:
Joseph Goebbels als Beispiel für “Sprachfeminismus” verwenden?? WTF?? Schon mal was davon gehört, dass FeministInnEN Nazis kategorisch ablehnen??
Feindklasse des Feminismus ist das Patriarchat?? WTF?? Was soll das denn für eine Klasse sein?? “Als Patriarchat […] wir eine Herrschaftsform bezeichnet” Da weiß sogar die Wikipedia mehr… Vielleicht da auch noch mal Klasse nachschlagen und dann drüber nachdenken…
Frauen immer als Opfer und Männer immer als Täter?? WTF?? Schon mal was von der These der Mittäterinnenschaft gehört?? Schon mal was davon gehört, dass Männer genau so Opfer von patriarchalen Verhältnissen sein können?? Vielleicht mal ein wenig mit dem Thema was abgelehnt wird auseinander setzen und mal lesen. Soll bildend wirken. Und dabei ein Tipp: Originaltexte lesen und keine Sekundärliteratur, da werden Zusammenhänge klar…
Letzten Freitag, 25.03.2011, war die E-Porn wieder zu Gast im MuK Gießen. Mit im Gepäck, eine Band die ich zum dritten Mal gesehen habe und deren Musik ich ziemlich gut finde. Die Rede ist von X-RX, die nach den Platten Unmöglich Erregend und Stage 2 nun ihre dritte Platte Update 3.0 rausgebracht haben.
Um das Folgende ein wenig einordnenbar zu machen will ich mal den Kontext zu diesem Post beschreiben. Ich kenne X-RX seit dem die Stage 2 rausgekommen ist. 2009 habe ich X-RX dann auch das erste mal live gesehen. Ich mag die Musik, ich mag die Musik sehr. Die Sounds finde ich größtenteils klasse und ich finde auch nicht, dass es sich um eine billige Nachmache von Agonoize handle (wie ich am Freitag gesagt bekommen habe). Und der erste Auftritt den ich von den beiden gesehen habe war klasse. Kleiner Club (das Vortex in Siegen), gute Stimmung, die beiden haben die Show runter gespielt, 2 Stunden getanzt, danach Autogramme gegeben und ich habe mir noch die Unmöglich Erregend gekauft (mit Autogrammen). Ein super Abend.
Mein zweites Konzert habe ich in der Druckluftkammer in Koblenz gesehen. Gar nicht so schlecht, aber nach dem ersten Konzert doch enttäuschend. Vor allem, da wir noch 200 km bei geschlossener Schneedecke (auf der Autobahn) zurück fahren mussten. Eine Anstrengung die sonst ja echt ok gewesen wäre…
Um es deutlich zu sagen, ich schreibe das Folgende nicht, weil ich die Band oder die Musik Scheiße finde; im Gegenteil.
– Rant Modus Ein –
Eine Band sollte echt merken wann sie einen guten Job macht. Und vor allem sollte eine Band merken wann sie keinen guten Job macht. Keinen guten Job macht eine Band, wenn das Publikum, was zu großen Teilen gerade auch wegen der Band kommt, einen Scheiß darauf gibt, ob es eine Zugabe gibt oder nicht. Keinen guten Job macht die Band, wenn der Veranstalter auf der Bühne das Publikum auffordern muss für eine Zugabe zu klatschen. Vor allem nicht, wenn die Band sich am Anfang noch als Gods Of Industrial Rave Music bezeichnet…
Was die Welt nun wirklich nicht braucht ist eine Band aus zwei Kerlen, die die Soundsamples ihrer Songs mitgröhlen und damit die Samples übertönen. Die damit die Soundsamples übertönen, die die Songs der Band ausmachen. Die Welt braucht auch keine Band die anstatt ihre Songs zu spielen wie sie gut sind (so wie auf Platte), sondern mit irgendwelchen Uuiiooo-Uuiiooo Effekten, ewigem Phasen der Titel oder dem Verlangsamen der Titel, so dass die Breakpoints in den Titeln nicht mehr passen. Gerade mit diesen Aktionen verhunzt ihr eure Titel maßlos…
Und ja, die meisten Leute haben vor der Bühne getanzt, ja auch ich habe die ganze Zeit getanzt. Aber das nicht wegen eurer “Show” sondern trotz euerer “Show”. Denn die Musik, die meist doch noch durch zu hören war ist eben gut, gut zum Tanzen. Das Feedback zu eurer Show könnt ihr nicht während euer Songs sehen, sondern immer dazwischen, dann wenn die Leute anfangen sich zu unterhalten, statt zu applaudieren… Ich hoffe das ist auf den Aufnahmen von dem Konzert mit drauf, die soweit ich das sehen konnte gemacht wurden.
Abschließend – und das betrifft nicht euch allein, sondern habe ich jetzt oft gesehen, bei den Death Stars vor allem (weil sie es bei jedem Lied machen), bei Diary of dreams ein wenig und bei anderen Bands mal mehr und mal weniger: Hört verdammt noch mal auf die Leute, mit dem Zusammenklatschen eurer Hände über dem Kopf, dazu bringen zu wollen, dass alle mitmachen. Die Menschen machen es doch von selbst. Die Menschen, die vor euerer Show stehen, denen eure Musik gefällt, die machen es von selbst, wenn sie es wollen. Klar ist es toll, wenn es alle machen. Und vielleicht ist es noch ein extra Kick Bestätigung wenn die Menschen machen was sie sollen, wenn ihr es ihnen vormacht. Aber richtige Bestätigung kommt eben nicht, wenn ihr sie einfordert. Die Bestätigung ist etwas wert, wenn sie von den Menschen freiwillig kommt. Und das Applaudieren über dem Kopf ist doch nicht das Einzige. Leute die einfach abtanzen, die Spaß haben, das ist doch was Konzerte ausmacht… Und nicht dieser “Alle klatschen wie bei Unheilig oder ASP gleichzeitig mit den Händen”…
– Rant Modus Aus –
All’ diesen Scheiß hattet ihr in Siegen nicht nötig. Das war das beste eurer Konzerte was ich gesehen habe. Wäre gut, wenn die Konzerte wieder gut würden…
Da in der TAZ ein Artikel erschienen ist, nachdem die deutschen Rüstungsexporte wohl nicht von der Krise betroffen sind habe ich mal geschaut, was die Rüstungsexportberichte der Bundesregierung so machen. Mittlerweile sind sie bis zum Jahr 2009 zugänglich. Und da Muammar al-Gaddafi ja noch immer dabei ist die libysche Bevölkerung zusammen zu schießen habe ich mal geschaut was Gaddafi denn so für Rüstungslieferungen aus der BRD bekommt. Dabei habe ich auch gleich einen Blick auf Tunesien und Ägypten geworfen. Dargestellt werden hier nur die Zahlen von 2005-2009.
Ägypten
Die Zahlen für Ägypten:
Ägypten
Anzahl d. Genehmigungen
Veränderung
Gesamtwert in €
Veränderung
2005
30
8.394.884
2006
30
+ 0,00 %
16.275.488
+ 93,87 %
2007
55
+ 83,33 %
15.123.902
- 7,08 %
2008
41
- 25,45 %
33.590.337
+ 122,1 %
2009
44
+ 7,32 %
77.535.778
+ 130,83 %
Oder als Grafik:
Diagramm unter CC BY-NC-SA 3.0
Was da 2009 so verkauft wurde:
A0011 - Kommunikationsausrüstung und Teile für Kommunikationsausrüstung, Breitbandpeiler (machte 67,0 % des Gesamtvolumens);
A0006 - Teile für Panzer, gepanzerte Fahrzeuge und Landfahrzeuge (machte 25,6 % des Gesamtvolumens)
Libyen
Die Zahlen für Libyen:
Libyen
Anzahl d. Genehmigungen
Veränderung
Gesamtwert in €
Veränderung
2005
1
305.311
2006
2
+ 100 %
1.995.385
+ 553,56 %
2007
4
+ 100 %
23.844.875
+ 1095 %
2008
8
+ 100 %
4.182.317
- 82,46 %
2009
7
- 12,5 %
53.154.423
+ 1170,93 %
Oder als Grafik:
Diagramm unter CC BY-NC-SA 3.0
Was da 2009 so verkauft wurde:
A0011 - Kommunikationsausrüstung, Störsender und Teile für Kommunikationsausrüstung (machte 81,4 % des Gesamtvolumens)
Tunesien
Die Zahlen für Tunesien:
Tunesien
Anzahl d. Genehmigungen
Veränderung
Gesamtwert in €
Veränderung
2005
4
33.000.592
2006
8
+ 100 %
64.001
- 99,81 %
2007
3
- 62,5 %
263.777
+ 312,15 %
2008
6
+ 100 %
69.284
- 73,73 %
2009
5
- 16,67 %
3.123.481
+ 4408,23 %
Oder als Grafik:
Diagramm unter CC BY-NC-SA 3.0
Was da 2009 so verkauft wurde:
A0006 - “Lkw und Teile für Landfahrzeuge” (machte 94,5 % des Gesamtvolumens)
Alles in allem…
Alles in allem ist es auch hier interessant, dass mit Regimen Rüstungsgeschäfte gemacht werden, die ganz plötzlich als unterdrückerisch gesehen werden. Und ja es ist logisch folgerichtig, dass Regime, die als legitim angesehen werden, auch mit Waffen versorgt werden können – es würde ja sonst einen Zweifel an der Zuverlässigkeit/Legitimität des jeweiligen Regimes bedeuten. Es spricht aber dann dafür die eigene Einstellung zu internationalem Waffenhandel generell zu überdenken. Denn erst wenn keine Waffen verschoben werden, werden – zumindest von der BRD – nicht die “falschen” beliefert.
Eine neue Platte von And One ist da. Zerstörer (Amazon-Link) heißt das “gute” Stück und ist eine EP mit 8 Titeln. Dabei auch zwei Versionen der Military Fashion Show.
Worum es mir aber eigentlich geht, ist das Lied Zerstörer an sich. Musikalisch gefällt es mir ziemlich gut. Super Beat. Gut tanzbar. Aber dann geballt im Text all das was ich an And One eben nicht ausstehen kann. Zum einen ist da diese Deutschtümelei, die immer wieder durch kommt. “Deutsche Liebe, gute Liebe” ist der zentrale Refrain. “Stoß um Stoß, vom Scheitel bis zum Schoß, lassen wir die Männer los”. Worauf will die Band mit den Textzeilen raus?? Das mit der deutschen Liebe schließt an das “Deutsch”-Motiv an, was in And One Texten immer wieder auftaucht. So heißt es in Steine sind Steine “Sei Stolz, Deutscher sei Stolz”, gepaart mit “Erst kommt Stolz, dann kommt dein Land. Steine sind Steine, alle an die Wand”. Unbehagen ist das netteste was ich empfinde, wenn der Song auf Partys läuft und die Menge anfängt sich bei dem Song abzufeiern. Grauenhaft. Und dann noch das Stoß-Bild, was zwar offensichtlich einen sexuellen Hintergrund haben soll, mich aber vor “vom Scheitel bis zum Schoß” an den Spruch “Jeder Stoß ein Franzos” aus dem ersten Weltkrieg erinnert hat.
Da das nicht zu reichen scheint, gibt es dann noch die Passage “Alles Gute kommt von unten, Sieger ficken keine Tunten“. W T F ?? “Sieger” ficken was also?? Nicht-tuntige Typen?? Naja ließe ja noch die Möglichkeit, dass nicht-tuntige Typen als Zufickende in Betracht kommen. Damit wäre es also keine allumfassende Abwehr von Homoerotik (ich unterstelle hier auf Grund der Texte von And One und deren Inszenierung von Männlichkeit, dass Sieger hier als männlich verstanden werden müssen) mehr, sondern ausschließlich die Abwehr von Tuntigkeit (wobei ich es für unwahrscheinlich halte, dass das so von der Bedeutung her intendiert ist, ich glaube viel eher, dass Tuntigkeit hier mit Schwul-Sein gleichgesetzt wird). Wenn der Text sich nicht gegen Homoerotik, sondern gegen Tuntigkeit richtet, dürfte damit eine Weiblichkeitsabwehr stattfinden, also eine Reinwaschung von Männlichkeit von störenden, als unmännlich konnotierten Verhaltensweisen. Was ist es also, was And One da betreiben?? Männlichkeitskult oder platte Homophobie?? Fast egal, beides sexistische Kackscheiße.
“Was wie ein harmloses tanzbares And One-Stück anmutet, wird durch Zeilen wie „Sieger ficken keine Tunten“ und „Deutsche Liebe – gute Liebe“ verstörend.”