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Willkommen beim Amphi 2011

Die Rahmendaten zuerst: vom 15. – 17. Juli 2011 war ich im Rahmen des Amphi-Fesitval 2011 unterwegs, Freitag früh hin und Sonntagnacht zurückgefahren. Im Folgenden dazu wie es mir gefallen hat und was so los war. Am Ende das was ich in der Besucherumfrage angegeben habe.

Das Line-Up

Das Line-Up kann ich kurz machen gefiel mir ziemlich gut. Nitzer Ebb, Samsas Traum, Die Krupps, Agonoize usw. Meinen Geschmack hat es getroffen, die meisten Auftritte waren super. Highlight dabei war für mich, dass am Ende des Auftritts von Nitzer Ebb die Krupps mit auf die Bühne kamen und zusammen performed haben. Dazu auch das Video (solang Youtube das ganze im Netz lässt)

Das Drumherum

Wir sind früh angereist und sind dann halb vier (eine halbe Stunde vor Öffnung des Camping-Platzes) zum Campingplatz hin und standen in der Schlange. Um vier ging es los, die Abfertigung war schnell und Problemlos. Schnell wurde ein Platz zugewiesen, die Leute haben sich gegenseitig geholfen (danke für die Luftpumpe, denn in der Hitze von Lunge aus aufpusten war echt anstrengend). Was nicht so klasse war, war dass das ganze in der brütenden Hitze war, Schlange stehen und alles. Ein wenig Schatten wäre für Schwarztragende in der prallen Sonne doch ganz gut. Ob der gelandete ADAC-Hubschrauber wirklich eine bewusstlose Person abgeholt hat kann ich dabei nicht sagen. Grundsätzlich klappe es aber viel besser als letztes Jahr beim Mera Luna.

Der Tanzbrunnen war zwar doch recht weit weg vom Campingplatz, aber der Tanzbrunnen ist als Location ziemlich cool. Die Mainstage mit Schattenspender und „Regenüberdachung“, das Staatenhaus mit Café und Bühne und das Theater mit dem Vortragssaal ist schön, dazu gibt es Verkaufsstände in einem Ring um den Brunnen in der Mitte angeordnet. Sehr fein. Insgesamt war es zwar schon recht voll, vor allem Abends vor der Mainstage oder im Staatenhaus, aber es ging echt noch, auch wenn das aus der Menge rauskommen während der Lakaien schwierig war, weil es regnete und die Leute sich einfach unter die Schirme drängten. Nicht so gut war die Belüftung im Staatenhaus. Bei Covenant fiel das Atmen schwer und mit Asthma wäre ich wohl verloren gewesen. Was ich mir von einer Asthmatikerin habe bestätigen lassen. Gute körperliche Verfassung war da leider Grundvorraussetzung.

Als Verpflegung gabe es Verschiedenes. Asianudeln, Pizza, Krustenbraten, Steaks, Reibekuchen (Kartoffelpuffer), Hamburger usw. Soweit ich sehen konnte war auch für die vegetarische Ernährung einiges dabei. Vegan würde ich sagen gab es nichts, aber ich lasse mich eines besseren belehren. An Getränken gab es von Kölsch bis Met einiges. Auch nichtalkoholisches. Leider lassen sich keine Getränke oder so mit auf das Gelände nehmen. Die VeranstalterInnen versuchen das wohl mit dem Tanzbrunnen rauszuhandeln, aber das klappte bisher nicht. Der Effekt, dass die Preise aufgrund mangelnder Verluste durch mitgebrachte Getränke niedriger wären war leider falsch von mir gedacht. Leider ist es eher so, dass die mangelnde Konkurrenz dazu geführt hat, dass die Preise hoch waren.

Reden wir doch mal über Geld

Im Anschluss an nrrrdz000007 werde ich mal ein wenig über Geld reden. Die Tickets haben für ein Wochenende 56€ + Gebühren gekostet. Dazu kommen noch mal 18€ für das Camping. Also Minimum 74€ als Grundpreis. Google Maps sagt, wir wäre 148 Kilometer hingefahren, bei einem Verbrauch von durchschnittlich 6 Litern Diesel und einem Dieselpreis von 1,45€/L macht das auf zwei Personen pro Person noch mal 12,90€ für die Anreise mit 4€ Parkgebühren für das Wochenende. Also 86,90€ bisher, noch ohne jegliche Verpflegung.

Die Preise auf dem Festivalgelände, auf was keine Getränke oder Essen mitgebracht werden durfte waren eine Frechheit… Das 0,5L Bier kostete 4€ + 50 Cent Becherpfand. Wenn ich mich richtig erinnere gabe es kein Getränk unter 3,50€ zu kaufen. Das einzige was es als Alternative gab war ein Wasserspender, an dem sich Leitungswasser kostenlos geholt werden konnte. Cocktails schlugen gleich mit 7,50€ zu Buche. Ähnlich sah es beim Essen aus. Eine kleine (keine Minipizza, aber kleiner als die im Supermarkt) Pizza mit Schinken oder Salami 7,50€, die Magharita etwas günstiger, der Krustenbraten im Brötchen, wahlweise mit Kraut, 5€. In dem Rahmen lag auch der Rest. Ich weiß zwar, dass sich das ganze auch finanzieren lassen muss, aber was eindeutig für mich ist, ist dass hier einfach Menschen mit geringem Einkommen klar das Nachsehen haben und Nachsehen kann dann eben heißen, dass sie nicht kommen können oder sich, wenn sie es hin schaffen, nichts zu Essen holen können.

Ich möchte dazu einen Vergleich anstellen. So sind im Hatz IV Regelsatz (Quelle) für „Freizeit, Unterhaltung, Kultur“ 38,71€ eingeplant. Um die Tickets für das Wochenende und Zelten (weil günstiger), unter der Vorraussetzung, dass ein Zelt schon vorhanden ist, finanzieren zu können muss eine Person im ALG II zwei Monat fast komplett auf alle Ausgaben für “Freizeit, Unterhaltung, Kultur“ verzichten. Dazu dann der Anteil für „Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren“ mit 132,71€, also bei einer/einem NichtraucherIn in einem 30-Tagemonat 4,40€ am Tag für “Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren“ heißt, dass es nicht einmal für ein Bier (mit Pfand) reicht, wenn der komplette Tagessatz für Ernährung aufgebracht wird. Und selbst ohne Getränk reicht es kaum um überhaupt was zu Essen zu bekommen… Das einzige was bliebe wäre dann der gut 45 Minuten dauernde Fußweg zum Campingplatz und zurück, wenn der Hunger kommt. Da ist dann mindestens eine Band verpasst… Oder sich das Essen vom Mund absparen.

Solche Preise nehmen in Kauf, dass sie viele Menschen ausschließen, die es sich nicht leisten können. Das gilt dabei genau so für den Niedriglohnbereich. Und die Rechnung ist ohne die auch nicht günstigen Szene-Klamotten.

Mit den gut 100€ die ich für das Ticket für die Warm-Up-Party, Verpflegung außerhalb und innerhalb des Festivalgeländes (20 € für ein T-Shirt) ausgegeben habe komme ich also auf 190,90€ insgesamt. Ein stolzer Preis für ein Wochenende…

Was es wieder schwer macht

Was es mir wieder schwer macht, das Festival genießen zu können sind nicht nur, dass es wie immer einige gibt, die keine Rücksicht auf andere nehmen usw., sondern sind beschissene Sachen wie, dass HONEY von Welle:Erdball alle Sachen die er scheiße findet als „schwul“ bezeichnet. So bei seinem Vortrag zu C64 Pornographic Art wo er von „schulen PCs“ redet oder bei seinem Auftritt mit der Funkhausgruppe bei dem er sich über den „schwulen Mikrofonständer“ beschwert… Und da er sowas auf dem Welle:Erdball Konzert in Marburg auch schon gebracht hat gehe ich mal davon aus, dass es wohl zu seinem normalen Sprachgebrauch gehört… Um es klar zu sagen: HONEY diese homophobe Kackscheiße die du da abziehst ist zum Kotzen und hat mit den Ansprüchen der Szene halt mal nichts zu tun… Und das die Frau auf der Bühne fragen, ob sie beim C64 spiel schlecht abgeschnitten hätte, weil sie doch bestimmt Hetero ist und deswegen die Frau, die im Spiel „befriedigt“ werden musste, „nicht so gut befriedigen“ konnte wie die beiden Kerle?? WTF?? Das ist nicht mal ein niveauloser Kalauer…

Zu den Ausfällen von HONEY kam noch Mark Benecke, der einen unterhaltsamen Vortrag abgeliefert hat, aber dabei auch nicht auf frauenfeindliche Sprüche à la Mario Barth verzichten konnte… Auch dir ein ungläubiges WTF?? Meint ihr, dass so der Umgang in der Szene aussehen soll?? Mit so einem Verhalten macht ihr es einigen Leuten nicht nur schwer sich in der Szene wohl zu fühlen…  Zum Kotzen…

Neues vom Moshpit

Ich habe ja schon einmal über meine Eindrücke zu Moshpits geschrieben, es gibt aber auch neue. Im Nitzer Ebb Video ist ja ganz gut zu sehen wie es zuging. Eigentlich standen wir gut 10 Meter weit weg vom Moshpit, weil wir nicht in der Nähe stehen wollten. Weit gefehlt. Als es uns zum ersten Mal fast umgehauen hätte hieß es von einer beteiligten Frau „Willkommen bei Nitzer Ebb“. Interessant war, wie ausgelassen sich die Männer (es waren wieder ca. 90% Männer im Moshpit) in den Armen lagen, sich zum teil auf den Kopf oder so küssten und miteinander umgingen als wären sie schon immer die besten Freunde gewesen. Es machte zum einen den Eindruck, dass so ein Moshpit ist wie eine verabredete Schlägerei von Hooligan-Gruppen ist, die ja scheinbar auch eine unglaubliche Befriedigung zu empfinden scheinen, wenn sie sich gegenseitig angehen können. Zum anderen hatte es was von Fußballfans, die sich aus Freude in den Armen liegen sich küssen usw., über jeglichen Verdacht der Homoerotik hinweg.
Leider diesmal auch wieder dabei, Leute die ich schon öfter gesehen habe, die einfach Leute vor lauter Moshpit in andere, die nicht mitmachen wollen reinschieben, ohne jegliche Rücksicht auf Verluste…

Zum Schluss der Auswertungsbogen für das Festival

 

Welche beiden Bands haben Dir am besten gefallen ?

Nitzer Ebb

Samsas Traum

 

Welche beiden Bands haben Dir am wenigsten gefallen ?

Saltatio Mortis

Subway to Sally

 

Was hat Dir beim Amphi Festival 2011 besonders gut gefallen (in Stichworten) ?

die Stimmung, das LineUp, die Location

 

Was hat Dir beim Amphi Festival 2011 nicht gefallen (in Stichworten) ?

sexistische Kommentare von Mark Benecke, Schwulenfeindliche Kommentare von HONEY, die Preise

 

Was hast Du beim Amphi Festival 2011 vermisst (in Stichworten) ?

die Nähe von Location und Camping-Platz

 

Bitte beurteile mit Schulnoten (1 = sehr gut bis 6 = ungenügend):

Festival insgesamt 2

Bandauswahl 1

Bühnenprogramm im Theater 3

Aftershowparties im Theater 3

Café im Staatenhaus 2

Zeltplatz (Jugendpark) 2

Qualität des gastronomischen Angebotes 2

Preise des gastronomischen Angebotes 6

Einlass-Situation / Bändchenumtausch 1

Toiletten (Anzahl/Qualität) 2

Unsere Festival Website 2

Security 1

Festivalmerchandise 2

 

Zum nächsten Amphi Festival 2012 kommst Du ?

wahrscheinlich wieder

 

Wo informierst Du Dich über das Amphi Festival? (Mehrfachnennungen möglich)

Webseite

 

Welche Festivals hast Du 2011 bereits besucht und welche Festivals besuchst Du 2011 noch?

Sonstiges – Neuwerkfestival

 

Welche Bands würdest Du gerne beim Amphi Festival 2012 sehen ?

Reaper

Spetznaz

Fetisch Mensch

Lacrimosa

Crüxshadows

 

3 thoughts on “Willkommen beim Amphi 2011

  1. Ahoi und danke für den feinen Text!
    Das gibt ja einen ganz neuen Punkt in unserer Welle:Erdball-Diskussion, äußerst schade mit den homophoben Kommentaren.

  2. Ouh – ha … honey hat nichts gegen schwule oder anders sexuell orientierte. zumal es im freundeskreis von ihm schwule und lesben usw. gibt und die sehen solch audrücke in keinster weise beleidigend.

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