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Männer am rechten Rand

In der vergangenen Woche habe ich per Mail einen Link zu einem Text von Thomas Gesterkamp bekommen. In diesem Text, der bei der Friedrich Ebert Stiftung in der Abteilung Frauen- und Geschlechterforschung erschienen ist, setzt sich Gesterkamp mit so genannten Männerechtlern und deren Position(en) auseinander. Ziel der Arbeit ist es einen Überblick zu geben welche Kritik von den „Männerrechtlern“ vorgebracht wird, wie diese einzuschätzen ist, ob diese Kritik sich an den realen Verhältnissen orientiert und ob es eine Verbindung zwischen den „Männerrechtlern“ und der rechten Szene gibt. Dabei grenzt er die rechte Szene zum einen nicht deutlich ab, macht aber klar, dass es nicht Ziel seiner Arbeit ist die „Männerrechtler“ in eine rechte Ecke zu stellen, aus der sie vielleicht nicht bewusst kommen.

Da ich den Artikel ziemlich interessant fand hier eine kurze Vorstellung.
Besonderes Interesse hat bei mir die Frage nach Gender Mainstreaming geweckt. GM was in Teilen der feministischen Szene deutlich kritisiert wird, da es bipolare heterosexuelle Geschlechterbilder reproduzieren würde und deswegen an der Aufrechterhaltung der patriarchalen Gesellschaftsstrukturen einen Anteil hat. GM dient dieser Kritik zu Folge eben nicht dazu Geschlechterbilder aufzulösen, sondern unterteilt die Betroffenen in Männer und Frauen, die je eigene, an das Geschlecht gebundene, Wünsche, Bedürfnisse und Talente haben, die es zu berücksichtigen gilt. Dabei werde aber die Teilung der Betroffenen in Männer und Frauen in einen institutionellen Rahmen gegossen und damit zusätzlich festgeschrieben. GM ist also nicht der Stein der Weisen hinter den sich die gesamte Bandbreite von FeministInnEn stellt, eher im Gegenteil, es sorgt weiter für Debatten.

Nun ist es aber gerade GM welches als das zentrale feministische Projekt dargestellt wird. „Den Befürwortern des Gender Mainstreaming werfen die Verfechter dieses grundlegenden Dualismus [gemeint ist eine natürliche Zweigeschlechtlichkeit] vor, eine „anthropologische Neutralisierung“ anzustreben und die Fakten der Biologie zu leugnen“ (Gesterkamp, 2010, S. 6). Natürlich sind es dann Männer die Opfer dieser wesensfremden Behandlung werden. So ist es die Feminisierung der Bildung die dazu führt, dass Jungs schlechter in der Schule sind. Außerdem wird eine staatliche Umerziehung stilisiert, „die sich angeblich viel zu sehr in die Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau“ (ebd.) einmischt. Ich hatte zwar den Eindruck, dass auch gerade staatliche Arrangements wieder auf eine stärkere Anreizstruktur hin zu mehr Frauen am Herd ausgerichtet werden sollen, aber sei’s drum.
Bisher größte interpretatorische Leistung kommt aber meiner Meinung nach von Gabriele Kuby. „Letztlich, so sagt sie im Interview mit der „Jungen Freiheit“, sei Gender Mainstreaming der letzte Schritt vor der Straflosigkeit der Pädophilie.“ (Quelle: NPD-Blog)

Gelungen finde ich die angestellte Medienanalyse. Dabei wird deutlich welche (Print-) Medien sich dem Bemühen anschließen einen rückwärts gewandten Geschlechterdiskurs zu initiieren. So in „der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) wetterte ein Jahr später gleich mehrfach Volker Zastrow gegen das „angewandte Kaderprinzip der feministischen Lobby“, die angeblich eine „politische Geschlechtsumwandlung“ plane.“ (Gesterkamp, 2010, S. 9) Auch der Spiegel steht in nichts nach, denn es „zeichnete Redakteur René Pfister Anfang 2007 ein düsteres Bild autoritärer Pädagogik, das Jungen „früh zu Kritikern des eigenen Geschlechts“ mache.“ (ebd.) Selbstreflexiver Umgang mit der eigenen Persönlichkeit wird also für Männer als Belastung empfunden. Das bei Selbstreflektion aber auch die eigene Position im Herrschaftsverhältnis unangenehm anklingen kann ist natürlich ein Umstand der nicht zu dulden ist. Neben der FAZ, dem Spiegel sind auch der Stern, die Zeit, der Focus, die Welt, Cicero und die „rechtslastige“ Junge Freiheit mit von der Partie.

Interessant ist auch der recht kurze Abschnitt zum Dunstkreis Internet. Denn hier wird deutlicher wo die Verknüpfungen mit der Rechten Szene sind. Zum Beispiel die Seite free-gender.de auf der sich Menschen austauschen die scheinbar Anti-Gender-Trainigs machen und auch auf dem Fest der Völker zugegen waren. Bisher waren mir die Verbindungen zu nationalistischen Kreisen weniger bewusst. Gerade bei der Frage nach dem Umgang mit maskulinistischen Kommentaren machte es für mich den Anschein als handle es sich um „einfache“ Maskulinisten.

Nun, soviel soweit. Da die Arbeit offen verfügbar ist einfach mal selbst lesen.

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