gendalus

Symbole die (unfreiwillige) Zweite

Wenige Tage nachdem ich über das WGT gebloggt hatte, fand in Gießen einmal mehr die E-Porn (Electronic Porn Party) statt. Veranstaltet wurde die E-Porn wie immer im MuK. War alles in allem eine sehr nette Party, Menschen getroffen, die ich schon länger nicht gesehen habe, alles soweit so gut.

Im Laufe des Abends sind mir aber zwei Personen ins Auge gestochen.
Als erstes viel mir ein junger Mann auf, der ein schwarzes Polohemd trug, welches am Kragen entlang weiß-rot gestreift war. Insgesamt war das Polohemd also in schwarz-weiß-rot gehalten, den Farben des Deutschen Reiches. Ich weiß nicht, ob mir das Hemd sofort ins Auge gestochen wäre, wenn ich eben dieses Hemd nicht schon einmal gesehen hätte.
Das letzte Mal, dass ich dieses Polohemd gesehen hatte, war auf einem Seminar (Die Meldung vom 18.02.2007) der KreisschülerInnenvertretung Schwalm-Eder, bei dem ich als Gast zugegen gewesen bin. Dieses Seminar sollte sich mit den im Schwalm-Eder-Kreis verankerten faschistischen Strukturen auseinander setzen und SchülerInnenvertreterInnen für das Thema „Rechtsextremismus“ (obwohl ich den Bezug auf die Extremismustheorie im Nachhinein nicht für sonderlich zielführend halte) sensibilisieren. Im Vorfeld wurde seitens lokaler faschistischer Gruppen eine Drohung gegenüber den TeilnehmerInnen des Seminar ausgesprochen, so dass das Seminar unter Beobachtung der Polizei stattfand. Des weiteren wurden vier NationaldemokratInnen in das Seminar eingeschleust, die wohl stören oder beobachten sollten. Einer der drei trug das besagte Polohemd in den Farben schwarz-weiß-rot.
Nun will ich nicht sofort unterstellen, dass es sich bei der Person auf der Party um einen Faschisten gehandelt hat. Gewundert habe ich mich aber trotzdem über das selbstverständliche Tragen der „Reichsfarben“.

Der zweite, im Vergleich zum ersten etwas ältere Mann, tanzte im Military-Look gekleidet. Unter den Hosenträgern ein Hemd mit einer abgedruckten Schwarzen Sonne auf der linken Brusttasche. – Ich hätte nicht gedacht, dass das Thema dann doch so schnell wieder aktuell wird…

Und dann war da noch die Geschichte die mir über meine Peer Group zugetragen wurde. Einem, in einem schwarzen Anzug gekleideten, Mann wurde der Eintritt auf die Party verwehrt, weil sich die Verantwortlichen am Eingang an seinen weißen Schuhen störten. Das an sich hätte nicht weiter verwundert – darüber ob es nun gerechtfertigt ist offensichtlich szeneexternen Leuten den Zugang zu verwehren ließen sich streiten -, wenn sich derjenige sich nicht offensichtlich in Sachen wie Musik hervorragend ausgekannt hätte. Die Erklärung für die weißen Schuhe war, dass seine anderen dreckig wären. Die Erklärung, gepaart mit der Kenntnis der Szenemusik hat aber scheinbar nicht ausgereicht um Zugang zu bekommen und wurde mit den Worten quittiert: „Siehst du hier noch andere mit weißen Schuhen?“ Ja, ich habe im Laufe des Abends mindestens eine Person mit weißen Schuhen gesehen.

Übrig bleibt für mich die Frage, wie ich mir erklären soll, dass es offensichtlich weniger das Problem ist mit Klamotten in Reichsfarben oder Hemden mit rechter Symbolik auf eine Szene-Party zu kommen. Problematisch wird es erst dann, wenn die Optik nicht passt und innerhalb dieser alternativen Szene jemand doch ein wenig aus der Rolle fällt.
Wieder bleibt nicht viel mehr als der Wunsch nach einem Mehr an Sensibilität und Toleranz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.